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 Echte Gefühle und wie sie beschrieben werden können.

Gemischte Gefühle - in einfacher Sprache für Lernende

Auch eine besondere Herausforderung kann gemischte Gefühle auslösen
Gefühle kommen in unseren Köpfen nicht in einer reinen, festen Form vor. Erst, wenn sich ein Gefühl mit einem anderen verbindet, haben wir Gefühle, die andere Namen haben als das, was die Wissenschaft als „Grundgefühle“ bezeichnet. Das Gefühl, einander zu mögen oder gerne zu haben ist einzigartig, und wir können nicht genau sagen, aus welchen Puzzlesteinchen es sich zusammensetzt.

Es ist also ganz normal, gemischte Gefühle zu haben, solange es sich um „zusammengesetzte“ Gefühle handelt.

Gegensätzliche Gefühle

Was ist aber, wenn wir „gegensätzliche Gefühle“ haben? Geht das auch?

Manche Wissenschaftler sagen: „Nein, das geht nicht“. Dafür gibt es einen Grund: Im Denken dieser Forscher kann nicht etwas „richtig“ sein und das genaue Gegenteil auch.

Andere sagen, dass es doch geht, weil es keine „Gegensätze“ bei den Gefühlen gibt. Wenn wir also zwei Gefühle haben, die nicht zusammenpassen, dann ist das kein Schaden, sondern etwas ganz Natürliches. Typisch ist es, Angst vor etwas zu haben und es trotzdem aus Neugierde zu wagen: Etwa in die Achterbahn auf dem Rummelplatz zu gehen.
Wir haben dazu auch ein Beispiel gefunden, welche „gemischten Gefühlen“ du haben könnest, wenn du jemanden zum ersten Mal „ganz toll lieb hast“ (1).

Häufig widersprechen sich gemischte Gefühle – du hast vielleicht zugleich Neugier und Angst, Lust und Scham. Manchmal ändern sich die Gefühle während der Erfahrung. Als Faustregel empfehlen wir, dass du so lange weitermachst, wie Lust und die Neugier stärker sind als unangenehme Gefühle.

Manchmal wollen wir sogar „gemischte Gefühle“ erleben, um uns einer Herausforderung zu stellen. Um ein harmloses Beispiel zu nennen: In Dänemark gibt es die Herausforderung, wer am längsten auf einem Pfahl im Hafen stehen kann, ohne sich auszuruhen.

Ein gutes Beispiel wäre auch „gekitzelt zu werden“, ohne zu lachen oder aufzuschreien. Der Hintergrund: „Gekitzelt zu werden“ macht manche Menschen für kurze Zeit froh, kann aber Schmerzen auslösen, wenn es zu lange dauert.

Zu diesem Thema gib es auch eine Version für Lehrende und Lernende.

Zitat: (1) Lilli zu gemischten Gefühlen - Sexualkunde für Jugendliche.

Dieser Artikel wurde in vereinfachtem Deutsch für Lernende geschrieben.

Gemischte Gefühle - gibt es sie?

„Gemischte Gefühle“ sind heute (2024) ein Schlagwort. Ein Rocksänger hat gerade ein Album eingespielt, eine Autorin veröffentlichte jüngst ein Buch, und auch die Sexualmediziner bemühen sich, den „gemischten Gefühlen“ auf die Spur zu kommen. Wir lesen etwa bei Lilli (1):

Häufig widersprechen sich gemischte Gefühle – du hast vielleicht zugleich Neugier und Angst, Lust und Scham. Manchmal ändern sich die Gefühle während der Erfahrung. Als Faustregel empfehlen wir, dass du so lange weitermachst, wie Lust und die Neugier stärker sind als unangenehme Gefühle.

Die Psychologie hilft uns kaum weiter. Man versucht, elementare (primäre, grundlegende) Gefühle zu isolieren und von jenen, die man als „komplex“ bezeichnet. Auch die „Komplexen“ Gefühlsinhalte bekommen jedoch Etiketten, was sich dann so liest:

Zu den komplexen Emotionen gehören Eifersucht, Schuld, Scham, Sympathie, Stolz, Dankbarkeit und Verachtung. Komplexe Emotionen haben kognitiven Inhalt.

Diese Definitionen sagen allerdings nichts darüber aus, wie sich solche Gefühle zeigen, und auch nicht, wo die Widersprüche in diesen Gefühlen liegen.

Gehören gemischte Gefühle zum Menschsein?

Wer nach „gemischten Gefühlen“ sucht, findet im Internet neben den in der Psychologie üblichen „Etiketten“ sofort auch „Bewertungen“. Denn während manche Autoren, teils Psychologen, teils Nicht-Psychologen, „gemischte Gefühle“ als hilfreich für die Entwicklung ansehen, sagen uns andere, wir müssten sie überwinden.

Mancher mag sich daran erinnern, im Deutschunterricht den „Faust“ gelesen zu haben, den ich zunächst zitieren will:

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,
die eine will sich von der anderen trennen:
Die eine hält in derber Liebeslust
sich an die Welt mit klammernden Organen;
die andre hebt gewaltsam sich vom Dust
zu den Gefilden hoher Ahnen.


In Wahrheit geht es nicht um zwei Gefühle, sondern um den Widerspruch zwischen Rationalität und Sinnlichkeit. Mit „zwei Seelen“ also zwei Gefühlswelten, mögen also Goethe und seine Zeitgenossen noch „zurechtgekommen“ sein - wir sind es heute nicht mehr. Heute sehen wir unser „Gemüt“ oder unsere “Psyche“ nicht als „fest gefügt“ an. Mit anderen Worten: Zu Goethes Zeiten (und lange danach) galt das Gemüt als „unveränderlich“ - heute glauben wir, dass sich die Gefühle im Laufe eines Lebens häufig verändern können. Hilfe von der Forschung können wir kaum erwarten, weil sich auch die aktuelle Wissenschaft nicht einig ist, was sie von einem „Mix“ in der Gefühlswelt halten soll. Wir lesen in einer Masterarbeit (2015, 2)

Gemischte Gefühle lassen sich als das gleichzeitige Erleben von zwei Gefühlen gegensätzlicher Valenz (Wertigkeit, Bedeutung) definieren … Die Existenz von gemischten Gefühlen ist jedoch umstritten. Während einige Studienergebnisse für ein Vorkommen von gemischten Gefühlen sprechen … sind andere Autoren der Meinung, dass positiver und negativer Affekt (Gemütsbewegung) die gegenüberliegenden Enden eines Kontinuums (Zusammenhanges) sind, was ein Vorkommen von gemischten Gefühlen ausschließen würde. Zwischen diesen Positionen läuft eine Debatte.


Ergänzend könnte ich noch sagen: Die Natur hat uns die Gefühle mitgegeben. Sie eignen sich in Wahrheit nicht, um „Gegensätze“ aufzubauen. Jedes Gefühl steht für sich selbst, und die angeblichen Gegensätze stammt aus der Theorie. Das heißt: Die Natur schafft die Möglichkeit, zwei Gefühle zugleich zu erleben, und unser Lebensstil kann dies durchaus zulassen.

Schwammige Gefühle und andere Einwände

Völlig unabhängig von dieser Diskussion müsste eigentlich gefragt werden: Kann so etwas Schwammiges wie ein Gefühl überhaupt wissenschaftlich exakt definiert werden? Und sollte dieses nicht möglich sein, wieso maßt sich die Wissenschaft dann an, Ergebnisse dazu vorzulegen?

Die „gemischten“ Gefühle treffen die Menschen ja in Alltagssituationen, nicht im Labor. Und wie sich der „Mix“ zusammensetzt, ist dabei zumeist völlig unklar. Wollte man einen Gefühlsmix analysieren, müssten seine Bestandteile wie auch deren Anteile offengelegt werden können. Niemand wird ernsthaft behaupten, dies tun zu können.

Nehmen wir mal ein Beispiel aus dem kaufmännischen Bereich, das sehr wirklichkeitsnah ist: Jemand übertritt eine Regel und erzielt damit einen Gewinn. Das Übertreten der Regel löst bei ihm „negative“ Gefühle aus, der Gewinn aber „positive“ Gefühle.

Leben mit gemischten Gefühlen - der Normalzustand?

Kommen wir zurück zum Anfang: Sobald wir starke (oder gar überwältigend) Gefühle entwickeln, geraten wir in einen Strudel. Denn mit jedem besonders heftigen Gefühl werden wir an unsere Basisgefühle erinnert, aber auch an Regeln, Normen oder einfach Schwierigkeiten, sie auch durchzusetzen. Wir wissen, dass wir einen Teil dieser erlernten Werte, Pseudo-Werte oder einfach Annahmen überwinden müssen, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen. Oftmals haben wir dabei den Eindruck, wir würden damit in Bereiche einbrechen, die für uns bisher als Tabu galten. Das Gefühl, eine Regel gebrochen zu haben, ist für viele Menschen nach wie vor entsetzlich – sie fühlen sich schuldig.

So weit der Teil, der ganz allgemein gilt. Und so weit die Antwort, die ich hier aufgreife:

Solange deine positiven Gefühle, also etwa Neugier und Lust dich erfreuen und bestärken, folge ihnen. Es ist absolut nicht ungewöhnlich, bei einem starken positiven Gefühl auch ein kleines negatives Gefühl mitschwingen zu lassen.

Wenn ihr eine Lösung sucht: Es gibt gemischte Gefühle, und sie sind natürlich. Wie ihr mit ihnen umgehen soll, entscheidet niemand außer euch selbst. Zum Thema gibt es auch eine einfachere Version für alle Lehrenden und Lernenden, besonders aber für Grundschüler.

Text für Experten und kritische Leser/innen.
Dieser Beitrag vertieft eines der Themen der Artikelserie "Fühlen ist ein wundersames Gefühl". Er enthält neben Fakten auch Meinungen zum Thema.

Zitate: (1) Lilli zu gemischten Gefühlen - Sexualkunde für Jugendliche.
(2) Wissenschaftliche Arbeit zu "gemischten Gefühlen" als Kontrast.

Fühlen ist ein wundersames Gefühl – und wieso?

„Fühlen“ ist eines der deutschen Wörter mit den widersprüchlichsten Bedeutungen. Am einfachsten erklärt es die Naturwissenschaft: „Was durch die Sinne wahrgenommen werden kann, nennen wir ein Gefühl“. Die Geisteswissenschaft sieht mehr darin: Sie spricht von den Regungen der Psyche und nennt sie „Gefühle“. Entstehen aus einem Gefühl wahrnehmbare Folgen, so sollen wir besser von „Emotionen“ sprechen. Noch im 19. Jahrhundert wurden „Gefühle“ von „Empfindungen“ getrennt. Demnach wurden Empfindungen durch äußere Zustände im Sinnesnerv, Gefühle hingegen durch Zustände im Bewusstsein erzeugt.

Nachdem ich jetzt relativ viele Begriffe auf euch abgeworfen habe, werdet ihr kaum sagen: „Ach, so ist das…!“ Denn die Frage, was denn nun ein Gefühl ist und wie wir über Gefühle sprechen können, ist damit keinesfalls beantwortet. Überhaupt … die Geschichte des Wortes „Gefühle“ im heutigen Sinne ist erstaunlich kurz.

Wofür haben wir eigentlich Gefühle?

Gefühle sind im Ursprung grundsätzliche und lebenswichtige Regungen, die wir auch mit vielen Säugetieren teilen. Sie bestehen im Wesentlichen aus der Wahrnehmung von Grundbedürfnissen. Haben wir genügend Nahrung, Wasser und eine schützende Behausung, so dienen uns die Gefühle hauptsächlich dazu, uns selbst zu erhalten, das soziale Miteinander zu regeln und für Nachwuchs zu sorgen. Der Mensch ist darüber hinaus in der Lage, seine Gefühle „einzuordnen“ und Ihnen einen „Stellenwert“ zu geben.

Gefühle sind Eigenschaften, die die Natur uns gegeben hat und die durch die Evolution geprägt wurden. Sie dienen dazu, die Existenz des Menschen zu sichern, soziale Kontakte einzugehen und für Nachwuchs zu sorgen.


Körper und Gefühle arbeiten nicht grundlos zusammen

Wenn wir von den Wurzeln der Gefühle ausgehen, so befinden wir uns mitten in der Evolution. Wir haben Triebe und Gefühle, die sich bis zum heutigen Tag in Körpersprache ausdrücken. Da Körpersprache in der Natur nicht sinnlos vergeudet wird, muss sie einen Sinn haben oder jedenfalls gehabt haben. Wenn jemand behauptet „Je intensiver … (unsere) Gefühlsregung ist, umso deutlicher reagieren wir“, dann hat er zwar recht. Doch bei all diesen Aussagen sollten wir nicht vergessen, dass unsere Reaktionen einen Sinn haben – denn wenn die Natur oder die Evolution etwas getan hat, dann hatte es einen Sinn. Und daraus folgt: Wir reagieren nicht irgendwie“ körperlich“, sondern wir senden Botschaften aus, indem wir körperlich reagieren. Das Beispiel zeigt, wie schnell wir zu Fehlschlüssen kommen, wenn wir „uns selbst sehen“. Geht man auch nur einen kleinen Schritt weiter, so schließt sich der Kreis. Wie fühlen – und senden dabei sichtbare Botschaften aus, die andere Menschen verstehen können (und offensichtlich verstehen sollen).

Man nennt diesen Vorgang „Kommunikation“,, und er findet immer und überall statt.

Das, was hier gesagt wurde, betrifft also Gefühle, die über das Verhalten für andere erkennbar sind. Und das Thema sollte uns anregen, mehr über unser Verhalten herauszufinden und Kommunikationsprozesse zu verstehen. Gefühle, die sich nicht im Verhalten niederschlagen, sind also zunächst von niemandem erkennbar – außer, wir könnten sie selbst beschreiben. Nach und nach müssen wir nun beginnen, uns mit dem „digitalisieren“ der Gefühle zu beschäftigen – oder mit der Frage, wie man über Gefühle „als solche“ sprechen kann - und das ist wirklich nicht einfach.

Gefühle im historischen Wandel

Überhaupt ist das Gefühl als „menschliche Regung“ erst relativ spät entdeckt worden. Und das „Sprechen über Gefühle“ wurde in früheren Zeiten nur unter Schriftstellern diskutiert, die versuchten, ihnen einen Ausdruck zu geben. Seither werden Gefühle sehr unterschiedlich beurteilt. Mal werden sie ausgesprochen blumig dargestellt, wie etwa in der romantischen Literatur, insbesondere im 19. Jahrhundert. Dann wieder wurden sie aus dem kollektiven Bewusstsein verbannt, tauchten aber immer wieder auf, zum Beispiel in der „Humanistischen Psychologe“, etwa bei Casriel („Die Wiederentdeckung des Gefühls“) oder Perls („Verlier den Verstand und komm zu Sinnen“.)

Die Erklärung des Fühlens - in einem neuen Ansatz

Was hat das alles für uns zu bedeuten? Sind es nur Zeiterscheinungen? Können wir überhaupt erklären, was „die Gefühle mit uns machen.“ Und falls wir es können – wie können wir es anderen mitteilen?

Dabei kommen wir auf einen „ganzheitlichen Ansatz“, den wir aus dem Buch „Die Kybernetik des Gehirns“ entnehmen“:

Jeder Reiz muss sich in einer Reaktion des Organismus fortsetzen und nach außen hin wieder abließen. Aber Empfindungen und damit der Reiz ist (nur dann) der Ausgangspunkt einer Leib-Seele-Reaktion, wenn die Empfindung zugleich gefühlsbetont ist (also) etwas Lockendes oder Abstoßendes für uns hat.

Dieser Satz ist deswegen so aufschlussreich, weil wir daraus entnehmen können:

1. Nicht jeder Reiz von außen erzeugt ein erkennbares Gefühl.
2. Reize müssen offenbar eine Art „Reise“ antreten, bevor sie als Gefühle wahrgenommen werden.
3. Soll es zu Emotionen kommen (also wahrnehmbare Folgen), so muss unsere Gefühlswelt heftig angestoßen werden.


Nehmen wir an, dies wäre der Fall. Dann hätten wir also ein Gefühl, aber wir wären immer noch nicht in der Lage, es einzuordnen. Das ist nur dann verständlich, wenn wir unterstellen, dass Gefühl zunächst immer „analog“ stehen, also sozusagen „fließend und ohne nachvollziehbare Struktur“ in unser Gehirn einfließen. Für die meisten Säugetiere, auch die Primaten, ist das absolut in Ordnung. Die grundlegenden, überlebenswichtigen Gefühle sind dazu da, uns zu nähern, einander abzuweisen oder uns fortzupflanzen. Das muss der Gorilla oder Schimpanse nicht verstehen. Er lebt damit.

Der Mensch will alles genauer wissen – gelingt es?

Der Mensch allerdings will mehr – er möchte sich selbst durchschauen. Einige Jahre lang sprossen „Selbsterfahrungsgruppen“ aus der Bewegung der „Humanistischen Psychologie“. Sie sollte dazu dienen, die eigenen, teils verborgenen Gefühle in der Gemeinschaft zu erforschen. Dabei wurden tatsächlich oft verborgene Gefühle freigelegt, also „erfahren“, aber deswegen noch nicht „verstanden“. Denn immer wieder scheiterte die „Umsetzung“ des Gefühls aus der „Ursuppe“ unstrukturierter Empfindungen in Sprache. Mit anderen Worten: Die Gefühle kommen bei solchen Methoden zwar zum Vorschein, können aber vorerst nur holprig oder gar nicht in Sprache umgesetzt werden. Auf diese Weise kommen sie nicht ins „Archiv“, das heißt, wir können sie nicht in den Teil des Gehirns übertragen, der für das „Einordnen“ zuständig ist. Und wir können sie deshalb auch nicht in Sprache abrufen.

Das ist nicht neu. Schon Goethe soll es gewusst haben, indem er schrieb:

Teilen kann ich euch nicht dieser (meiner) Seele Gefühl.

Es wird gerne auch zitiert als:

„Redet sie Seele, so redet die Seele nicht mehr.“

Seele, Psyche und Co – was ist das genau?

Womit wir bei der Seele wären, die wir auch „Psyche“ nennen oder schlicht: „Die Welt der Empfindungen“. Die Psyche hatte ursprünglich eine eher metaphysische Bedeutung, die Seele hingegen eher eine religiöse. Indessen vermischten sich die Bedeutungen in der Sprache schnell, da die meisten Menschen keine Fremdwörter verwendeten („Psyche“), währen das Bildungsbürgertum solche Worte begierig aufgriff. Das Substantiv „die Psyche“ gehört bereits in 20. Jahrhundert, Ende des 19. Jahrhundert sagte man bestenfalls „Was auf das Seelenleben Bezug hat oder in dasselbe mit aufgenommen ist.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts interessierten sich die Menschen erstmals für das „Psychische“, das auch als „Seelenleben“ bezeichnet wurde. Damals wurde der Begriff „Seelenlehre“ nach und nach durch „Psychologie“ ersetzt.

Zunächst vereinnahmt die Psychologie die Gefühle

Weil sich die Psychologie so intensiv mit der menschlichen Psyche beschäftigt, wird vielfach angenommen, dass diese Wissenschaft besonders kompetent sind, wenn es darum geht, Gefühle zu erklären. Inzwischen sind die Naturwissenschaften und Ingenieurwissenschaften aber an einem Punkt angelangt, an dem sie mitreden können. Ein typisches Beispiel dafür ist die Neuropsychologie.

Wie die traditionelle Psychologie Gefühle beschreibt, habe ich an anderer Stelle zusammengefasst.

In dieser Artikelserie findet du auch einen Beitrag, was alles Gefühle genannt wird - du kannst nachlesen, wo der Begriff überall verwendet wird. Wenn du wissen willst, welche Wissenschaften und Denkrichtungen sich mittlerweile mit Gefühlen beschäftigen, dann lies den Artikel "Der Siegeszug des-Begriffs Gefühle und einige Irrtümer darüber."

Zitat von A.F. Marfield "Die Kybernetik des Gehirns", Berlin 1970.

Gefühle – Einleitung zu „Fühlen ist ein wundersames Gefühl“

Schon mein Titel „Fühlen ist ein wundersames Gefühl“ mag viele meiner zukünftigen Leser zweifeln lassen. Wieso kann „Fühlen“ ein „Gefühl“ sein?

Doch wer Schulaufsätze, Novellen und andere Schriften durchsucht, wird schnell erfahren, wie viele Menschen „Gefühle fühlen“. Ich fand das „bejahende Fühlen deiner Gefühle“ ebenso wie man „Fühlen erlernen“ kann oder wie du „Kontakt zu deinen Gefühlen“ herstellen kannst. Das sind alles Ideen, die davon ausgehen, dass Gefühle ein „psychisches Phänomen“ sind.

Wer Schreiben lehrt, sei es ein Deutschlehrer oder jemand, der Autoren heranbildet, wird immer darauf hinweisen, dass man weder die Angst noch die Lust fühlt, weil sie bereits Gefühle sind. In normalen Schulen wie auch in Schreibschulen gibt es Auflistungen, wie man Gefühle am besten beschreibt – nämlich anhand der Auswirkungen.

Wie kommt es nun, dass wir immer wieder lesen, dass wir Gefühle „fühlen“ sollen?

Die Antwort ist erstaunlich einfach: Alles, was wir nicht beschreiben können, wollen, sollen oder gar dürfen, versuchen wir mit einem einzigen Wort zu erklären. Falls uns jemand um eine etwas genauere Beschreibung bittet, werden wir mit anderen Worten abgespeist, und so geht es gerade so weiter.

Das muss nicht sein.

Was, zum Donnerwetter, sind eigentlich Gefühle?

Erstaunlicherweise steht nicht einmal fest, was alles unter den Begriff „Gefühle“ fällt. Einmal sind es die Grundlagen des Lebens, die uns die Evolution mitgegeben hat, um zu überleben. Dann sind es Reize, die von außen auf uns einwirken und mit den Sinnen aufgenommen werden. Besonders intensiv wirken biochemische Prozesse, die das Gehirn einleitet, um elementare Triebe zu steuern. Hinzu kommen Stimmungen, die wir ebenfalls als Gefühle bezeichnen. Eine exakte Definition des Wortes „Gefühl“ existiert nicht. Und weil das so ist, müssen wir an die „Graswurzeln“ zurück - in diesem Fall zu den Grundlagen unserer Existenz.

Was also sind Gefühle wirklich?

Im Grunde ist es ganz einfach: Gefühle sind in ihren Grundlagen alle Impulse, die nötig sind, um unser Leben zu erhalten oder zu gestalten. Man könnte sie auch als „Anreize“ oder „Auslöser“ bezeichnen, denn Gefühle allein bewirken gar nichts. Ich zitiere dazu eine Quelle aus der Schule:

Reizbarkeit ist ein Merkmal des Lebens. Ohne Aufnahme von Informationen ist keine sinnvolle Interaktion eines Lebewesens mit seiner Umwelt denkbar.

Aus Gefühlen werden manchmal Emotionen

Die Auswirkungen einiger Gefühle nennen wir Emotionen, auf Deutsch oft „Gemütsbewegungen“ genannt. Es sind sozusagen „Gefühle in Bewegung“. Denn die Evolution hat uns nicht ohne Absicht mit Gefühlen ausgestattet - sie sollen etwas bewirken. Gefühle, die keine Auswirkungen haben, werden von uns gar nicht beachtet, weil sie vorab abgefiltert werden. Auch „das Gefühl in Bewegung“, also die Emotion, muss nicht sofort etwas Bestimmtes auslösen. Psychisch halbwegs gesunde Menschen können ziemlich sicher sein, dass ihr Gehirn nur dass „durchlässt“, was wirklich dringlich und lebensentscheidend ist.

Die Wissenschaftliche Definition von Emotionen

Um das Zusammenspiel von Gefühlen, Emotionen sowie Gedanken und ihren Auswirkungen zu verstehen, halte ich diese Erklärung für hilfreich:

Emotionen sind psychologische Zustände, welche durch neurophysiologische Veränderungen hervorgerufen werden, die auf verschiedene Weise mit Gedanken, Gefühlen, Verhaltensreaktionen und einem gewissen Grad an Freude oder Unmut verbunden sind.

Der Satz ist im Grunde revolutionär. Er sagt uns, dass es gar nicht darauf ankommt, welche „Gefühle“ auf uns einwirken, sondern nur, was sie in uns bewirken. Die heutige Forschung beweist uns mit einiger Sicherheit, wo die Grundlagen der Gefühle zu suchen sind: In biochemischen Prozessen, die wir nicht oder nur unter Mühen beeinflussen können.

Mit diesem Wissen können wir nüchterner an die Gefühle und ihre Auswirkungen herangehen als mit jeder philosophischen oder psychologischen Theorie.

Wie aber nähern wir uns den Gefühlen wirklich?

Wir versuchen, Gefühle in Alltagssprache zu fassen. Wir beginnen damit, Gefühle zu beschreiben, statt sie zu benennen. Dann kümmern wir uns darum, welche Emotionen daraus entstehen. Und schließlich werden wir uns damit beschäftigen, was daraus folgt.

Die Praxis ist allerdings ungleich schwerer. Die verschwommenen, analogen „Gefühlsregungen“ lassen sich nur schwer in Worte umsetzen, und die Neigung, statt dessen Schlagworte zu verwenden, ist verführerisch.

Deshalb versuche ich, hier zu beschreiben, warum uns Gefühle in Erklärungs- und Formulierungsnot bringen – und damit begründe ich auch die Notwendigkeit, diese Schrift zu verbreiten. Mein Ansatz ist die Evolution, gefolgt von der Selbstregulation und den Grundlagen der menschlichen Kommunikation. Mein Ziel ist, die menschliche Natur aus einer unabhängigen Sicht zu erklären – und zwar so, dass mich möglichst viele Menschen verstehen.

Beginnen will ich allerdings mit einem kurzen Abriss der Ideen, die vor dem 21. Jahrhundert vertreten wurden. Keine Angst, es wird nicht zu theoretisch. Wenn du diesen Abschnitt übergehen willst, kannst du ohne weiteres auch damit beginnen, etwas über die Methoden zu lesen, die ich hier verwende.

Ein Teil dieser Artikelsammlung wurde in einer stark vereinfachten Sprache für Schüler ab 10 Jahre verfasst. Wenn es sie gibt, wird in beiden Beiträgen darauf hingewiesen. Jeder Artikel kann einzeln gelesen und verstanden werden.

Diese Einleitung meines Themas „Fühlen ist ein wundersames Gefühl“ steht hier anstelle eines Vorworts. Der Artikel wendet sich., wie die meist der hier veröffentlichten Beiträge, an Lehrende und Lernende. Sie wurde bewusst in vereinfachter Sprache geschrieben.

Zitat: Neuropsychologie.