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 Echte Gefühle und verständliche Kommunikation by sehpferd.

Von der Redekunst zur künstlichen Intelligenz: Kommunikation

Ursprünglich wurden ausgefeilte Dialoge zwischen Menschen als „rhetorische Kunstwerke“ angesehen, etwas so, wie kunstvoll gesetzte Notenfolgen als musikalische Kunstwerke gelten. Seit etwa Mitte des 20. Jahrhunderts schaute man genauer auf die Verfahren und Techniken, die bei der Kommunikation benutzt wurden.

Erst 1976 wurde eine neue Theorie entwickelt, die neue Maßstäbe für den Begriff „Kommunikation“ aus psychologischer Sicht schuf. Sie ist untrennbar mit dem Namen Paul Watzlawick verbunden. Zur gleichen Zeit wurden auch Kommunikationstrainings populärer, die sich auf Erfahrungswissen beriefen.

Am Ende des 20. Jahrhunderts standen neben neuen Theorien auch andere Ziele auf den Ankündigungen der Kommunikationsseminare. Einerseits waren sie mehr auf Persönlichkeitsentwicklung und beruflichem Erfolg ausgerichtet, andererseits wurden sie als „Seminare für gewaltfreie Kommunikation“ (GfK) ausgebaut.

Seit 2020 gerät die Kommunikation mit auf „Empathie“ programmierten Maschinen in den Vordergrund. Ähnlich den „Sirenen“ aus der griechischen Mythologie locken sie Menschen mit ihren Texten an, um sie „einzulullen“. Ist das geschehen, so versuchen die Programme, eine Art „gewaltlose Umprogrammierung“ (ähnlich der sanften Gehirnwäsche) zu erreichen. (1)

Der gesamte Artikel wurde in vier Zeitabschnitte aufgeteilt. In allen Teilen wird auf weitere, detaillierte Betrachtungen verwiesen.

(1) Im Internet unter: Mediarep, auch als Buch (2025).

Kommunikation

Die Zeitreise

Teil 1 - Von der Antike bis zum Beginn der modernen Kommunikationsforschung (ca. 1940)
Teil 2 - Kommunikation und Psychologie - der Zeitreise zweiter Teil
Teil 3 - Erfahrungswissen, Praxis und weitere Möglichkeiten (bis zum Ende des 20. Jahrhunderts)
Teil 4 - Gegenwart und Zukunft - Lösungen und Gefahren durch KI (bis heute, 2026).

Fühlen wir Menschen seit Jahrtausenden gleich?

Was würde sie uns wohl zum Thema sagen?
Gefühle sind nur mit Mühe beschreibbar. Aus dieser Sicht fällt es uns auch schwer, sie zu begreifen. Sie sind nicht so einfach „erfassbar“, und alles, was wir nicht wirklich mit unseren Sinnen erfassen können, ist irgendwo im Nirgendwo unseres urtümlichen Denkens angesiedelt. In meiner Sprache ist es der „analoge“ Teil der Gefühle.

Die Psychologie und ihre Interpretation der Gefühle

Die Psychologie interpretiert Gefühle – sie kann sie ebenso wenig zuverlässig beschreiben wie wir selbst. Immerhin soll es ja möglich sein, den Teil der Gefühle zu beschreiben, der „von außen erkennbar“ sind. Dann heißen sie Emotionen. Sie „bewegen“ uns, nehmen Einfluss auf uns und sind für andere erkennbar.

Neue Gedanken - könnten Gefühlsregungen kulturabhängig sein?

Neuerdings interessieren sich Historiker für Emotionen. Das liegt vor allem daran, dass die Annahmen, menschliche Gefühle seinen über Jahrhunderte gleich geblieben, nicht mehr haltbar ist. Vielmehr hat sich inzwischen die Sichtweise der Gefühle innerhalb eines einzigen Menschenalters erkennbar gewandelt.

Vereinfacht gefragt - und eine vorläufige Antwort

Die Grundfrage, stark vereinfacht, wäre:

Können wir davon ausgehen, dass ein Mensch nach der neolithischen Revolution die gleichen Gefühle beibehielt wie zuvor? Oder: Fühlte ein Mensch im Mittelalter sich genauso wie einer, der heute (2026) lebt?

Sehr wahrscheinlich ist die Antwort „Nein“, weil die äußeren Bedingungen anders waren.

Die Historikerin Ute Frevert schreibt dazu:

(Die Versuchung der Geschichte besteht darin) … Gefühle, Emotionen, Passionen in ihren jeweiligen und historisch wechselnden Erfahrungskontexten aufzuspüren. Der sprachliche und nicht sprachliche Ausdruck von Emotionen (denken wir an Musik, Bilder, Gesten und Tanz) zeigt eine ungeheure Vielfalt, sowohl sozial als auch zeitlich und räumlich. Unterschiedliche Kulturen legen unterschiedliche Regeln des emotionalen Ausdrucks fest. Der Ausdruck aber, davon geht die kulturwissenschaftliche Emotionsforschung aus, prägt die Emotion selber – die ohne Ausdruck möglicherweise gar nicht existiert.

Was ist mit der Evolution?

Nehmen wir mal an, dass wir von der Evolution bestens damit ausgestattet wurden, uns anzupassen und vor allem, dabei etwas „dazuzulernen“. Dann ist das, was wir fühlen, eher ein Ergebnis der Kultur als der Natur, kann aber dennoch als „natürlich“ bezeichnet werden.

Zum Schluss noch ein Zitat von Jutta Stalvor aus ihrer 2010 vorgelegten Doktorarbeit (2).

Kulturelle Prägung ist … nicht des Menschen „zweite Natur“, sondern Teil seiner „ersten Natur“ – es ist seine Natur, über andere Menschen, über Lernen und über gesellschaftliche Einbindung ein Mensch zu werden.

Ich selbst habe diesen Anhang 2016 für mein (inzwischen erweitertes) Gefühlsblog geschrieben.

(1) Pressemitteilung der FU Berlin.
(2) Doktorarbeit (Stalvor)

Bild © 2026 bei sehpferd.de

Gefühle und Mystik

Der Name Mystik an sich führt nicht weiter als auf eine Geheimlehre, in welche nur Auserwählte eingeweiht werden.
(Meyers Lexikon, um 1890)


Während sich die Religion nur selten mit unseren Gefühlen beschäftigt, versucht die Mystik, Gefühle ganz bewusst in den Vordergrund zu stellen.

Hat die Mystik eine Geschichte?

Die Mystik ist eng verbunden mit religiösen oder weltanschaulichen Geheimlehren. Ihre Grundzüge liegen vermutlich in den ersten Beurteilungen von Naturphänomenen oder Fragen der Heilung oder Genesung. Die Vorgänger der Wetterkunde und der Medizin gehörten wahrscheinlich zu den ersten Gruppen, die Geheimlehren entwickelten. Man kann sagen, dass Naturbeobachtungen zu den ersten „wissenschaftlichen“ Arbeiten der Urmenschen gehörten. In vielen Kulturen bildeten sich daraus die ersten Gruppen von Mystikern, die für Heilung und Verdammung, für Voraussagen des Jagdglücks oder für den Weg zuständig waren, die eine Horde von Urmenschen gehen würde.

Entscheidend war in jedem Fall, dass dieses Wissen und Können von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Sobald man sich darüber klar wurde, wurden geeignete Personen gesucht, die in die „Mysterien“ eingeweiht wurden. Daraus entstanden vermutlich allerlei Geheimbünde. Sie wären nicht geheim gewesen, wenn ihr Wissen an eine breite Öffentlichkeit gedrungen wäre. Aus diesem Grund entwickelte sich eine „Exklusivität“. Das bedeutet: Das erworbene Wissen der „Adepten“ (Jünger, Anhänger/Anhängerinnen) darf nicht zum Allgemeinwissen werden.

Diese Abschottung führte aber auch dazu, dass sich weitere weltanschauliche, religiöse oder sexuelle Zirkel mit Mystik umgaben. Die Geheimnisse, die sie „wahrten“ sind dabei auf „Überlieferungen“ zurückzuführen. Das gilt für den Hexenkult (Wikka-Bewegung) den Teufelskult oder Voodoo in Afrika, aber auch für christliche Heilsbewegungen - und sicher für viele „moderne“ Bewegungen.

Der Schutz der Mystik und ihrer Rituale halft gutwilligen wie böswilligen Gruppen. Bekannt sind vor allem die Propheten, die wir auch als „Spökenkieker“, Kartenschläger, Wahrsager, Pendler oder Astrologen kennen. Sie alle verfügen über keinerlei „Geheimwissen“. Sondern verwenden entweder reinen Hokuspokus oder nutzen ihre Fähigkeiten, die Mikro-Mimik ihre Klienten zu beobachten und zu interpretieren.

Mystik und Gefühle heute

In der Mystik und in der Religion spielen Kräfte eine Rolle, die von geheimen Mächten ausgehen

Allgemein bekannt dürfte sein, dass sich viele Menschen vom Glauben an Mystik und andere übersinnliche Phänomene beeinflussen lassen. Wesentlich unbekannter ist hingegen, wie die Mystiker versuchen, auf unsere Gefühlswelt einzuwirken. Das geschieht, indem sie alle natur- und geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse verwerfen und an ihre Stelle religionsähnliche Gebilde stellen, die als „höhere Wahrheiten“ angeboten werden.

Wie Geheimnisse, Mysterien und Gefühle in der Literatur vermischt werden

Außer in der Esoterik, zahlreichen Pseudowissenschaften, Ideologien und abenteuerlichen Theorien spielen „mystische“ Gefühle auch in der Literatur eine wesentliche Rolle. Zum Teil werden sie als Stilmittel benutzt, um Leserinnen und Leser zu verblüffen oder „erschauern“ zu lassen. Eines der populärsten Beispiele der deutschen Literatur ist der Briefroman „Der Sandmann“ von E.T. A. Hoffmann. In ihm werden Gefühle durch ein optisches Hilfsmittel und allerlei Zauberglaube so manipuliert, dass der Held eine mechanische Puppe für eine begehrenswerte junge Frau hält.

Auch gemischte Gefühle mystischer Herkunft werden oft von Autoren benutzt - zum Beispiel bei der Vampir-Literatur, in der Lust und Grauen zusammengeführt werden. Dabei werden unerklärliche Lüste verwendet, die zunächst von den Fabelwesen („Vampire/Vampirinnen“) ausgehen, dann aber auch von Menschen angenommen werden. Solche Werke gelten heute auch als Vorläufer der sadomasochistischen Literatur, weil wir der Wunsch nach Unterwerfung oder die Lust daran in der Vampirliteratur häufig vorfinden.

Verbotene Neigungen und Mysterien - literarisch

Eine andere Art von Gefühlsmix wurde früher oft benutzt, wenn von „verbotenen“ sexuellen Regungen die Rede war. Die erotisch gefärbten Horrorgeschichten über die ungarische Gräfin Elisabeth Báthory beruhen auf einer Mischung aus Vampirismus und homosexuellen (lesbischen) Neigung der Titelfigur.

Da jede Form von „sapphischer Liebe“ verpönt war, versuchten einige Autorinnen, solche Geschichten mit „übersinnlichen“ Mächten zu verklären.

In dem 1967 erschienenen Bestseller „Picknick am Valentinstag“ beispielsweise werden zahllose zärtliche Neigungen von Frau zu Frau angedeutet, die aber in der Zeit um 1900 nicht ausgelebt werden konnten. Erst nachdem einige Frauen der Realität entstiegen sind und sie sich einer mystischen Wandlung unterzogen hatten, konnten sie diese verwirklich – um den Preis, nie wieder in die Realität zurückzukehren. Ein sehr eindrucksvoll geschriebenes Buch „Fuchsia ou la Reine Démon“ spielt gar in der Jetztzeit, und die Mystik geht dabei von einer geheimnisvollen Dämonenkönigin aus.

Mystik in der Psychologie

Nicht zuletzt hat die Mystik auch durch die Populärpsychologie Auftrieb erhalten. Dies ist auf die Annahme zurückzuführen, dass sich zum „Bewusstsein“ das „Unterbewusstsein“ gesellt, das wesentlich größer ist als das Bewusstsein. Diese Annahme wird oft „Eisbergtheorie“ genannt. Seither glauben viele Menschen, dass in diesem Gebilde eine Fülle von Geheimnissen verborgen sind, die wir gar nicht oder nur schwer ergründen können. Um es kurz zu machen: diese Theorie ist im Grunde haltlos. Nicht wegen des Begriffs „Unterbewusstsein“, sondern wegen des immensen Anteils, den dieses zweite, verborgene Bewusstsein angeblich haben soll.

Text für Experten und kritische Leser/innen.
Dieser Beitrag vertieft eines der Themen der Artikelserie "Fühlen ist ein wundersames Gefühl". Er enthält neben Fakten auch Meinungen zum Thema.

Grafik: © 2024 by sehpferd_team

(1) Definition der Mystik: Meyers, Wikipedia.
(2) Abweichende Ansichten beispielsweise hier (Theologie, Uni Kiel).