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 Echte Gefühle und verständliche Kommunikation by sehpferd.

Kommunikation - die Macht der Metakommunikation

Metakommunikation - ein Elefant steht im Raum
Metakommunikation ist „Kommunikation über Kommunikation“. Wir versuchen also, darüber zu reden, wie und über was wir reden. Das klingt harmlos, ist aber in Wahrheit eine Herausforderung für jeden, der diese Technik im Gespräch benutzt.

Neutral betrachtet und auf zwei Personen bezogen, ist es eine Unterhaltung über die Form oder den Inhalt eines Dialogs, aber auch über das Verhältnis zum Gesprächspartner.

Metakommunikation - praxisnah


Metakommunikation - ein mächtiges Werkzeug bei Störungen der Kommunikation

Metakommunikation dient dazu, Störungen im Gespräch deutlich zu machen und nach Möglichkeit zu beseitigen. Zugleich ist es die Aufforderung, die Gesprächsebene neu zu definieren oder zu wechseln. Oftmals kann man lesen, dass bei der Metakommunikation das bisherige Gespräch „aus der Vogelperspektive“ betrachtet wird. Das ist nicht ganz richtig, weil dazu ein „Vogel“ nötig wäre, der das Gespräch zuvor neutral verfolgt hat. In der Praxis gibt es aber zwei abweichende Perspektiven. Letztlich ist Metakommunikation in jedem Dialog ein erheblicher Eingriff, bei dem es um die Gegenwart geht, mehr noch aber darum, das Gespräch in die unmittelbare Zukunft zu „retten“. Das bedeutet meist auch, darüber zu verhandeln, wie das Gespräch sinnvoll fortgesetzt werden kann.

Dazu ein Hinweis:

Wenn das Ziel eines Gesprächs feststeht und nicht verändert werden soll, kann per Metakommunikation nur über den Weg dorthin gesprochen werden. Ist das Ziel nicht genau definiert, dann kann das Ziel selbst Gegenstand der Metakommunikation sein.


Der „Elefant im Raum“

Manchmal versucht einer der Gesprächspartner, sich an einem kritischen Thema „vorbeizumogeln“, weil er oder sie befürchtet, dass dieses Thema die Beziehung erschweren könnte, sobald es angesprochen wird. Man sagt im englischsprachigen Raum dazu, dass „ein Elefant im Raum steht“. Das ist eine Umschreibung dafür, dass ein sensibler Bereich der Kommunikation ausgespart wird. Manchmal „wissen“ beide Partner darum, aber es kommt auch vor, dass einer der Partner offensichtlich mit einem „Elefanten“ unterwegs ist. Falls beide Partner offen kommunizieren wollen, sollte derjenige vorsichtig eine Metakommunikation beginnen, der den „Elefanten“ erkannt hat. Nachdem der Dickhäuter aus dem Raum vertrieben wurde, läuft die Kommunikation meistens flüssiger und entspannter.

Die Chance, ein Gespräch neu aufrollen

Der Vorteil der Metakommunikation für dich liegt in der Chance, das Gespräch neu aufzurollen, auf eine geeignetere Ebene zu bringen oder später unter besseren Bedingungen fortzusetzen.

Möglichkeiten und Grenzen an Beispielen

Allerdings ist dabei Vorsicht geboten. Wenn du feststellst, dass Metakommunikation nötig ist, greifst du auch in die Machtverhältnisse ein. Zudem kann deine Feststellung, dass etwas am Gespräch „nicht stimmt“, auch Kritik auslösen.

Beispiele für Metakommunikation

Fall 1: Eine Einigung ist möglich

Nehmen wir zunächst an, beide Partner bleiben gesprächsbereit und sie denken offensichtlich ähnlich über den Gesprächsverlauf:

Anton: „Ich denke, wenn wir das Gespräch so weiterführen, wie wir es im Moment tun, dann erreichen wir nicht viel“

Berta: „Daran habe ich auch schon gedacht. Im Grunde entfernen wir uns immer mehr von einer Entscheidung, statt darauf zuzusteuern.“
Anton: Was schlägst du vor? Wie könnten wir das ändern?


Das wäre also ein Neuanfang ohne Konflikte. In der zweiten Variante sitzt der Konflikt tiefer und Berta stellt die Machtfrage.

Fall 2: Schwierige Lage und Versuch einer Lösung

Nehmen wir nun an, dass Berta nicht einverstanden ist und die Situation völlig anders einschätzt (Wir verwenden die gleiche Einleitung von Anton wie zuvor):

Anton: „Ich denke, wenn wir das Gespräch so weiterführen, wie wir es im Moment tun, dann erreichen wir nicht viel“
Berta: “Ich finde ziemlich vermessen, dass du dies jetzt feststellst, während wir die Hintergründe sorgfältig beleuchten. Wie kommst du eigentlich zu der Meinung, dass „wir“ im Gespräch nicht weiterkommen?“

Anton wechselt nun die Gesprächsebene, weil er keine Machtdiskussion aufkommen lassen will:

Anton: „Vielleicht irre ich mich ja - welche Möglichkeiten siehst du denn, um heute eine befriedigende Einigung zu erzielen?“
Berta: (der „Ball“ liegt nun bei „B“, der mit der Frage aufgefordert wird, konstruktiv am Verhandlungserfolg zu arbeiten.)


Fall 3: Zwei Versuche, die Lage mit Metakommunikation zu ändern

Der folgende Fall liegt ganz anders, deswegen schildere ich eine etwas längeres Gespräch zwischen Cathrin und Dieter.

Cathrin: „Bist du nur auf der Suche nach einer Partnerin oder hast du vor, zu heiraten und Kinder zu haben?“
Dieter: Ich suche eine Partnerin und ich schließe nicht aus, sie auch zu heiraten und Kinder mit ihr zu haben.
Cathrin: (Ist enttäuscht von der Antwort) „Also ist es nicht deine Absicht, bald zu heiraten, um eine Familie zu gründen?
Dieter: Meine Absicht ist, zunächst jemanden genauer kennenzulernen, bevor ich heirate.
Cathrin: Also willst du nicht bald heiraten?

Dieter hat erkannt, dass der Dialog so nicht fortgeführt werden kann.

Dieter: „Schau mal, wir sitzen hier, um festzustellen, ob wir zusammenpassen könnten. Das ist unsere Gegenwart und der Sinne unseres Gesprächs. Versuchen wir doch einfach zu klären, wie unser Alltag jetzt aussieht.“
Cathrin: Kann den Ball aufnehmen oder das Gespräch innerlich oder äußerlich als beendet ansehen. Der Vorschlag „fangen wir doch mit etwas anderem an“ ist ebenfalls eine Metakommunikation.


Was ist alles geschehen in diesem Gespräch?

In diesem Dialog wird zu Anfang eine Alternativfrage („Entscheidungsfrage“) gestellt – das beinhaltet immer ein Problem, weil der Dialog damit stark eingeschränkt wird. Dieter behilft sich mit einem „Werkzeug“: Er wählt das verbindende „und“ – also nicht das trennende „oder“, um das Gespräch fortzuführen. Diese Maßnahme kann bereits als Element der Metakommunikation angesehen werden. (Cathrin) besteht aber weiterhin darauf, dass die Frage „alternativ“ gemeint war, also mit entweder - oder. Dieter unternimmt einen zweiten Versuch, den Kommunikationsablauf zu ändern. Falls Cathrin den Ball nicht aufnimmt, kann das Gespräch wahrscheinlich nicht sinnvoll fortgesetzt werden.

Faustregel: Metakommunikation höchstens zwei Mal anbieten. Fruchtet auch der zweite Versuch nicht, Gespräch ausklingen lassen oder abbrechen.

Die Logik zur Metakommunikation von Lewis Carroll (1)

Dieses Beispiel aus der Literatur verdeutlicht, welche Rolle die Macht spielt, wenn jemand Metakommunikation verwenden will.

Schwarze Königin: „Kennst du Sprachen? Wie sagt man „fiddle-de-dee” auf Französisch?”
Alice: „Fiddle-de-dee ist kein englisches Wort”.
Schwarze Königin: „Wer hat denn das behauptet?“
Alice: „Wenn Sie mir sagen, aus welcher Sprache „fiddle-de-dee“ stammt, verrate ich Ihnen das französische Wort dafür!“
Schwarze Königin: „Königinnen verhandeln niemals.

Die Kunst, konsequent zu sein, ohne verletzend zu sein

Metakommunikation ist ein mächtiges Werkzeug. Sein Einsatz erfordert Mut, Konsequenz und „Fingerspitzengefühl“, wenn wir damit wirklich Erfolg haben wollen.

Aus meiner Sicht wir Metakommunikation oft idealisiert. Um über die Gefühle, das Empfinden oder den Umgang miteinander zu reden, ist mehr nötig als ein bisschen „Empathie“. Genau genommen ist es die Kunst, Störungen in der Kommunikation deutlich zu formulieren, ohne jemanden absichtlich zu verletzen.

(1) Lewis Carroll: Alice hinter den Spiegeln, stark gekürzt. Original-Version zum Vergleich im Anhang.
"Kommunikation - die Macht der Metakommunikation" vollständig lesen

Kommunikationstheorien - die Transaktionsanalyse von Eric Berne

Eric Berne ist der Schöpfer eines Teilgebiets der humanistischen Psychologie, der Transaktionsanalyse (TA). Auf dieser Basis entwickelte er auch ein Modell der menschlichen Kommunikation.

PAC oder El-Er-K

Vordergründig nutzte Berne das Persönlichkeitskonzept von Sigmund Freud, also ICH, ÜBER-ICH und ES. Wenn man diesen drei Persönlichkeitselementen bestimmte Rollen zuweist, dann entstehen parallele Formen auf gleicher Ebene, auf unterschiedlichen Ebenen oder auch gekreuzte Dialoge. Dieses System nannte er PAC – Parent, Adult, Child.

Bei Berne bestehen die Gesprächsteile zwangsläufig aus Transaktionen, was bildlich etwas so dargestellt werden kann:

Gliederung eines Gesprächsverlaufs nach Transaktionen

In der Theorie wird noch nach genauem definiertem Rollen unterschieden, beispielsweise:

Beschützendes ELTERN-ICH
Kritisches ELTERN-ICH

Freies KINDER-ICH
Angepasstes KINDER-ICH

Diese vier Definitionen werden jeweils positiv wie negative Modi zugewiesen, auf deren Erklärung unser Team verzichtet hat. Details finden sich auf einer Schweizer Webseite (2).

Parallele Transaktionen

Stark vereinfacht ist Kommunikation dann besonders durchsichtig und konfliktarm, wenn beide Partner auf einer der drei Ebenen miteinander reden und der gesamte Dialog auf diese Ebene bleibt. Also:

Eltern-ICH zu Eltern-ICH
Erwachsenen-ICH zu Erwachsenen-ICH.
Kinder-ICH zu Kinder-ICH.

Nach Berne ist es auch möglich, eine besonders klare und durchsichtige Kommunikation zu führen, wenn eine Person sich im Eltern-ICH-Zustand befindet und die zweite im Kinder-ICH-Zustand. Voraussetzung ist auch hier, dass die Ebenen nicht verlassen werden.

Die gekreuzte Transaktion

Eine „gekreuzte Transaktion“ entsteht nach Berne, wenn eine der beiden Beteiligten eine Rolle annimmt, die dem anderen Partner missfällt. Beispielsweise sagt das angesprochene Kinder-ICH zum mahnenden ELTERN-ICH: „Ich habe keine Ahnung, warum du mich zu bevormunden versuchst – ich schlage vor, ich kümmere mich um meinen Kram – und du kümmerst dich um deine Angelegenheiten …“ Dabei geht es also darum, dass jemand die Gesprächsebene ändern möchte.

Als dritte Möglichkeit existiert noch die „Latente Transaktion“, bei der beide auf mehreren oder wechselnden Ebenen kommunizieren. Textlich (Zitat, 1):

„Unter einer latenten, komplizierten Transaktion versteht man ein soziales/ kommunikatives Verhalten, bei dem mindestens ein Teilnehmer in mehr als einem Ich-Zustand gleichzeitig tätig wird (dabei werden) zwei verschiedene Botschaften ausgesandt werden. Wir finden einmal die offene Botschaft, die sprachlich oder durch ein anderes Verhalten ausgedrückt wird. Die TA nennt diese "Botschaft auf der sozialen Ebene". Hinzu kommt die latente, die indirekte Botschaft, die sog. "Zwischen-den-Zeilen-Information". Sie enthält Auskünfte über den inneren Zustand, die Motivation und die Beziehung des Senders zum Empfänger.“

Das Konzept von Eric Berne ist so leicht anwendbar, dass es ganze Generationen von Kommunikationstrainern begeisterte – und bis heute begeistert. In den 1970er-Jahren sollen die Bemühungen von Murial James und Doroythy Jongeward dazu geführt haben, dass Bernes Theorien sehr populär wurden. Sie wurden auch als einfaches und wirksames Verfahren für den persönlichen und beruflichen Erfolg bezeichnet. Dazu trug auch ihr Erfolgsratgeber „Born To Win“ bei, der 1971 erschien. Aus ihm zitiert auch die Kommunikationstrainerin Vera F. Birkenbihl (1975) im Goldmann-Ratgeber „Kommunikationstraining“, die sich ebenfalls auf die TA beruft.

Die Theorie von Eric Berne aus heutiger Sicht (2026)

Das menschliche Verhalten ist aus heutiger Sicht wesentlich komplexer das Modell von Eric Berne. Die Faszination, die das Modell ausstrahlt, ist schnell verflogen, wenn es um die vielen Knoten und Verwicklungen geht, die im Alltag vorkommen.

Werden die Ebenen des Dialogs so verschoben, dass sie nicht mehr ins Konzept vom PAC passen, dann müssen neue Regeln gefunden werden. Dies geschieht üblicherweise dadurch, dass auch Methoden aus anderen Quellen (Erfahrungswissen, Dialogtechniken) verwendet werden - oder dadurch, dass auf „Metakommunikation“ ausgewichen werden muss.

Obwohl das Verfahren von Eric Berne auf Sigmund Freud und sein Strukturmodell der Psyche aufgebaut sein soll, werden in der Praxis nur die Rollen angesprochen, die diesem Modell zugeordnet wurde. Es handelt sich also eher um das Verhalten in einem Rollenspiel als um eine zuverlässige Ansprache der Persönlichkeit.

(1) Ausführlichere Erläuterungen für Studenten: Uni Oldenburg.
(2) Schweizer Quelle: TA Schweiz.
Murial James und Doroythy Jongeward: Born To Win )1971, antiquarisch noch erhältlich, deutsch als "Spontan leben: Übungen zur Selbstverwirklichung", Reinbek 1974.