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 Echte Gefühle und verständliche Kommunikation by sehpferd.

Kommunikation - von der Theorie zur Praxis

Gedacht ist nicht gesagt,
gesagt ist nicht gehört,
gehört ist nicht verstanden,
verstanden ist nicht einverstanden,
einverstanden ist nicht angewendet,
angewendet ist noch lange nicht beibehalten.

(Konrad Lorenz, Verhaltensforscher)

Theorie zu Praxis wandeln

Kommunikation aus der Theorie herausholen - und rein in die Praxis

Kommunikationsseminare werden angeboten, damit du in deinen Dialogen etwas erkennen kannst, was dir bisher nicht aufgefallen ist. Du hast die Freiheit, anschließend so weiterzumachen wie bisher, kleine Korrekturen vorzunehmen oder deine Kommunikation völlig zu verändern.

Wenn du deine Kommunikation völlig verändern willst, kannst du das kaum tun, ohne dein Verhalten zu ändern. Das bedeutet meist einen tiefen Einschnitt in dein Verhalten – und es kann sehr lange dauern, bis du es „verinnerlicht“ hast.

Einfacher ist es, sein Verhalten in bestimmten „Rollen“ zu verändern, also beispielsweise als Personalchef(in), Berater(in), Verkäufer(in) oder Sozialarbeiter(in). Das liegt daran, dass sich in diesen Rollen immer nur ein Teil der Persönlichkeit widerspiegelt, während die Gesamtpersönlichkeit dadurch nur wenig verändert wird. Allerdings erfordert auch dieses neue „Rollenverhalten“ eine gewisse Übung.

Wenn du das neue Verhalten nur „anlegst“ wie ein schlechter Schauspieler, wirst du unglaubwürdig – aber je glaubhafter du deine Rolle spielst, umso „authentischer“ wirkst du.

Dir bleibt also kaum etwas anderes übrig, als dein neues Verhalten „im richtigen Leben“ zu erproben. Versuche es zuerst in relativ „geschützten“ Situationen und wende es nach und nach bei wichtigeren Gesprächen an. Das ist die Methode, die sich am besten bewährt hat.

Wie bringe ich die erlernten Theorien in die Praxis ein?

Zehn Tipps, um bewusster zu kommunizieren oder dich vor Manipulation zu schützen.

1. Wende das Erlernte schrittweise an und überprüfe dabei, wie es wirkt.

Das Zitat, das ich vorangestellt habe sagt sinngemäß aus, dass du einige Zeit benötigst, um eine Technik oder Methode in der realen Welt anzuwenden. Ich nehme an, du hast die Inhalte des Seminars verstanden, aber du bist noch nicht einverstanden. Dann hilft dir „Versuch und Irrtum“, um zu erproben, wie du die Inhalte so anwenden kannst, dass sie dir nützen. Falls dies der Fall ist, wirst du sie voraussichtlich beinhalten.

2. Wo willst du das Erlernte hauptsächlich einsetzen?

Die meisten Seminare haben einen allgemeinen Teil, der für alle Kommunikationsformen gilt. Ein anderer Teil ist auf bestimmte Berufe oder Gesprächssituationen zugeschnitten. Es ist wesentlich einfacher, das Erlernte in einer festgelegten Rolle anzuwenden, als dein Verhalten im Alltag „völlig umzukrempeln“. Wenn du mit deinem Verhalten in einer bestimmten Rolle (Verkäufer, Berater, Partnersuchender) veränderst, kannst du relativ schnell zu Resultaten kommen.

3. Sei der Gesprächsführer (der Verantwortliche).

Der Gesprächsführer zu sein heißt nicht mehr und nicht weniger, als dich verantwortlich für den Verlauf des gesamten Gespräches zu sehen. Du kannst die Gesprächsführung jederzeit an die andere Person abgeben, wenn es dir sinnvoll erscheint. Achte aber darauf, dass du deine Absichten und Ziele weiterhin einbringen kannst.

Es kommt vor, dass eine andere Person als Gesprächsführer auftritt. Wenn du beispielsweise ein Bewerber oder eine Bewerberin bist, ist dies ganz normal. Aber auch dann kannst du das Gespräch durch „aktives Zuhören“ oder „kreative Antworten“ beeinflussen.

4. Beobachte und verändere.

Ein gutes Motto ist stets, dir zu sagen: „Ich beobachte mich, um mich zu verändern, und indem ich mich beobachte, verändere ich meine Handlungen.“ Das heißt nicht, „alles unter Kontrolle zu haben“, sondern zu erfahren, was gerade im Gespräch mit mir geschieht. Der Satz „ich beobachte mich, also verändere ich mich“, ist ein Merksatz aus Seminaren zur Verhaltensänderung.

Zu Anfang kann es auch lohnend sein, andere bei der Kommunikation zu beobachten. Du kannst auch daran lernen – aber bitte versuche sie nicht auf ihre Art der Kommunikation anzusprechen. Jetzt willst DU lernen.

5. Benutze Werkzeuge, um schneller Erfolg zu haben.

Wenn du ein Verhalten (deine Kommunikation) gründlich verändern willst, brauchst du möglicherweise ein paar Monate. Die Werkzeuge oder Techniken, die dir im Training zur Verfügung gestellt werden, wirken wesentlich schneller und effektiver. Nach und nach kannst du sie so in deine Kommunikation einbauen, dass alles „authentisch“ klingt, also so, als hättest du es erfunden.

6. Plane gewünschte und gefürchtete Gespräche.

Du kannst deine Kommunikation verbessern, indem du mögliche reale Gespräche planst und versuchst, das Erlernte „im stillen Kämmerlein“ oder vor dem Spiegel anzuwenden. Selbstgespräche sind dazu sehr hilfreich durch das ständige Einüben von „Standard-Situationen“. Durch den ständigen Gebrauch lernst du, dich auch unangenehmen Gesprächspartner zu stellen.

7. Nimm andere als eigenständige Wesen wahr.

Andere Menschen sind eigenständige Wesen, die selbst denken können und eigene Gefühle haben. Sie sind nicht wie du und sie werden auch nie wie du sein. Jemanden zu verstehen, heißt also, ihn in seinem „Anderssein“ zu verstehen.
Indem du das anerkennst, wirst du andere verstehen, unabhängig davon, ob du sie magst oder nicht.

8. Integriere in deine Person, was sich bewährt hat.

Alles, was du erlernt und erprobt hast, kannst du in dein Leben, deine Persönlichkeit oder deine Rolle (Funktion) integrieren. Wenn niemand mehr merkt, dass du „vor Kurzem wohl eine Schulung“ bekommen hast, ist dein Ziel erreicht.

9. Schütze dich vor lästiger Manipulation durch Menschen.

Der Sinn von Kommunikationsseminaren liegt nicht ausschließlich darin, zu verstehen, verstanden zu werden oder den persönlichen Erfolg zu suchen. Viel wichtiger ist oft, dich mit den Kenntnissen vor lästigen Manipulationen zu schützen. Für viele Teilnehmer ist dies ein Gewinn, den sie sofort einstreichen können.

10. Dein „Freund“ könnte ein Roboter sein.

Künstliche Kommunikationspartner (Chatbots) können dir vorgaukeln, mit dir zu fühlen, auf deiner Seite zu stehen oder dich „gut zu beraten“. Es ist schwer, sie zu erkennen. Sei dir bewusst, dass sie Daten und konkrete Verhaltensmuster von dir ausspionieren und diese Informationen an andere verkaufen können, um dich besser zu manipulieren. In manchen Seminaren lernst du, wie du dich davor schützen kannst.

Kommunikation

Der Werkzeugkasten der Kommunikationstrainer – eine Fundgrube

Die meisten Kommunikationstrainer nutzen „Werkzeugkästen“ (Toolboxen) und lehren, wie man sie in der Praxis benutzen kann. In diesen Werkzeugkästen können durchaus unterschiedliche „Werkzeuge“ enthalten sein. Wie beim Handwerker auch, werden Werkzeuge immer dann benutzt, wenn die natürlichen Kräfte und Fähigkeiten unterstützt werden sollen.

In diesen Werkzeugkästen befinden sich Pläne, Verfahren und Techniken sowie oftmals eine Art „Notfallkonzept“. Sie beruhen teilweise auf Konzepten der Kybernetik, aber auch auf Erfahrungswissen, psychologischen Theorien und anderen Überlegungen.

🧰 Grundlegende Techniken der Kommunikation im Werkzeugkasten

Techniken spielen in den Werkzeugkästen die größte Rolle. Besonders wichtig sind Frage- Antwort- und Zuhörtechniken, weil sie direkt auf den Gesprächsfluss wirken. Auch der Gebrauch von Feedback gehört dazu.

Weitere Techniken

Trennung von Energie und Steuerung


Das „aktive Zuhören“ ist nicht Ausdruck einer Geisteshaltung, sondern ein Werkzeug, das erlernbar ist. Eine Variante dieser Technik ist, nicht die Energie eines Gesprächs zu vermehren, sondern einen Teil der Energie zur Steuerung zu verwenden. Dadurch erreicht man, dass der Initiator oder Gesprächsführer entlastet wird. Wer diese Methode verwendet, wirkt als „Steuermann“ – das Schiff „Kommunikation“ findet seinen Weg durch eigene Energie.

Aufteilung der Argumente

Wo immer etwas erklärt werden soll, empfiehlt sich, der Gesprächsführung eine Struktur zu geben. Ein bewährtes Prinzip ist die Dreiteilung eines Arguments:

Was ist es?
Wie wirkt es sich aus?
Was könnte das für (dich, die Sache) bedeuten.


Benutzen von Bildern

Manche Mitteilungen lassen sich nicht in Worte fassen, aber durchaus in Bildern. Diese Methode kennen fast alle Menschen aus dem Spruch: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Es ist aber auch möglich, die Schriftsteller-Regel „Zeig es, erzähl es nicht“ mit Worten umzusetzen. (Im Dialog beispielsweise in Sätzen wie „Stell dir vor, du wärst…“).

Anpassung an die Sprache des Gegenübers

Diese Methode wir sehr oft verwendet, wenn du einem Menschen mit einfacher Denkweise einen an sich komplizierten Vorgang erklären willst. Sie kann auch funktionieren, wenn du dich im Gespräch mit einem gebildeten Menschen auf deine eigene Bildung besinnst und Alltagssprache vermeidest. Diese Methode kann vorteilhaft angewendet werden, birgt aber auch Risiken. (Als Methode wurde dieser Teil der Toolbox als "Anpassungstheorie" (CAT) bekannt).

Über Gefühle sprechen - oder dies zu verweigern

Einer der heikelsten Bereiche der aktiven Kommunikation besteht darin, wie (und ob) du Gespräche über Gefühle zulassen oder abwehren willst. Normalerweise wissen Kommunikationslehrer dies und lehren beide Wege, nämlich einerseits Gefühle zu offenbaren oder in den Vordergrund zu stellen, auf der anderen Seite aber auch, unerwünschte Gespräche darüber zu vermeiden. Es geht im Grunde darum, wie viel „Offenheit“ nötig oder erwünscht ist, um die Botschaften miteinander auszutauschen.

Ich-Aussagen - ein Werkzeug mit zwei Schneiden

Mit ICH-Aussagen kannst du viel erreichen - wenn du sie klug verwendest. Die Idee stammt von Thomas Gordon, der darin mehr als ein Werkzeug sah.

Die Balance der Macht wahren

Gespräch sind nicht immer „symmetrisch“ und sie finden nicht immer auf Augenhöhe statt. Viele Kommunikationstrainer nutzen dazu das Bild der „Wippe“: Solange die „Wippbewegung“ spürbar ist, wird die Kommunikation als „interessant und ausgewogen“ betrachtet. Steht sie in der Mitte still, so flachen Gespräche ab. Sobald einer von beiden aber den Boden berührt und der andere „abhebt“, werden Gespräche als „unausgewogen“ wahrgenommen. Das „Gefühl der Unausgewogenheit“ kann auch dadurch entstehen, dass ein Partner wirklich oder „gefühlt“ zu lange redet.

„Kanäle“ trennen

Kommunikation kann über einen Kanal, zwei Kanäle oder auch vier Kanäle erfolgen, ja nachdem, welche Methode im Training verwendet wird. In manchen Kommunikationstrainings wird viel Wert daraufgelegt, die beiden Komponenten „Informations- und Beziehungsaspekt“ zu beobachten. In anderen werden drei oder vier Aspekte dazu angeboten, mit denen die Kommunikation analysiert werden kann.

Metakommunikation nutzen

Metakommunikation ist ein mächtiges Werkzeug, mit dem versucht wird, „Knoten“ in der Kommunikation aufzulösen. Meist glaubt einer der Partner beobachtet zu haben, dass sich das Gespräch in einer Sackgasse befindet und schlägt vor, die Gesprächssituation „aufzudröseln“ und die „Knoten“ herauszunehmen. Der Erfolg von solchen Maßnahmen ist davon abhängig, ob der Partner diesen Wechsel der Gesprächsebene zulässt oder in diesem Ansinnen einen Machtkampf vermutet.

Eine besondere Form der Metakommunikation ist der Vorschlag, einfach die Gesprächsebene zu verlassen und auf eine andere überzugehen. Zum Beispiel: „Das klingt als Vorschlag sehr interessant – doch welche Auswirkungen wird dies auf (…) haben?“ Auf diese Weise vermeidest du einen Bruch in der Kommunikation.

Innerlich die Position wechseln

Wenn das Gespräch aus irgendwelchen Gründen nicht so „läuft“, wie du es dir vorstellst, gibt es ein einfaches Mittel, deine Position zu überprüfen. Du stellst dir einen Moment vor, dass du euer Gespräch nur beobachtest, also nicht Teil der Kommunikation bist. Manche Seminarteilnehmer haben es erfolgreich erprobt und berichten, dass Ihnen dieser „innerliche“ Perspektivwechsel geholfen hat.

🧰 Das Fazit zur Toolbox und der Ausblick

Wahrscheinlich gibt es in „privaten“ Werkzeugkisten noch viele Werkzeuge, bildlich gesprochen „von der Säge bis zum Schleifpapier“, um die eigene Kommunikation sinnvoll zu verbessern.

Allerdings können alle Werkzeuge, grobe wie feine, zum Nutzen wie auch zum Schaden anderer eingesetzt werden. Es kommt nicht darauf an, ob man dem Werkzeug etwas „Böses“ oder „Gutes“ zuweist, denn wie es angewendet wird, entscheidet der Benutzer.

Aufgabe der Zukunft: Manipulationen erkennen

Auch dieser letzte Satz gilt heute nur noch unter Anwesenden. Die KI ist heute (2026) in der Lage, unter dem Deckmantel harmloser Dialoge massive Beeinflussungen zu ermöglichen. Wir, also die Empfänger solcher Nachrichten, sollten zeitig lernen, solche Versuche zu erkennen und abzuwehren.

(Die wichtigsten Themen werden noch weiter ausgeführt - das ist noch in Vorbereitung.)

Hinweis: In diesem Artikel werden Teile von Seminarunterlagen des Autors von 1976 - 1991 verwendet und der heutigen Sichtweise angepasst. Weitere Informationen stammen aus den Überlegungen von Shannon, Berne, Barnlund, Watzlawick und nicht zuletzt aus den Erfahrungen von Seminarteilnehmern)
Für Lehrende, Lernende und andere Interessenten am Thema ist auch das Buch "MiniMax-Interventionen" von Manfred Prior lesenswert.

Einblick in die Theorie der Partnersuche - passen deine Gefühle zu den Gefühlen anderer ?

Manchmal ist bei der ersten Verabredung klar, dass es nicht passt ...
Für die einen klingt es paradox, dass Gefühle zueinander passen müssen – für die anderen gilt es als „selbstverständlich“. Es gibt sogar Menschen aus der professionellen Ecke, die behaupten, es ganz genau zu wissen. Und sie verwenden neben einer wissenschaftlichen Bezeichnung (Homogamie) gerne einen Spruch aus der Küchenpsychologie:

„Gleich und gleich gesellt sich gerne.“

Diesen Spruch gibt es auch in englischer Sprache:

„Birds of a feather flock together“.

In Wahrheit hat der Satz mit Psychologie gar nichts zu tun, sondern ist ein Zitat aus dem 16. Jahrhundert, das William Turner in einer Satire benutzte:

Byrdes of on kynde and color flok and flye allwayes together.

Behauptet wird seitens mancher Psychologen, dass Paare „irgendwie“ gleich sein, gleich denken oder gleich fühlen müssten, wenn sie eine Ehe schließen wollten.

Die wahre Geschichte der Gleichheit bei Paaren

Wie es dazu kam, hat mit Psychologie allerdings überhaupt nichts zu tun. Die Gesellschaftsordnung jener Zeit beruhte darauf, in welcher „Klasse“ oder „Schicht“ man aufgewachsen war. Das hieß, der Mann, der eine gewisse Freiheit hatte, suchte sich seine Partnerin in der gleichen Gesellschaftsschicht. Die Tochter konnte sich nicht frei entscheiden, sondern wurde vom Vater oder Vormund verheiratet.

Das änderte sich erst, als einige angesehene Persönlichkeiten im späten 18. Jahrhundert dazu aufriefen, aus Liebe zu heiraten. Verwirklicht wurde dies jedoch erst im späten 19. Jahrhundert, obgleich die Liebesheirat durch gewisse „Standesdünkel“ immer noch behindert wurde.

Dies war insbesondere in betont bürgerlichen Städten oder Stadtteilen der Fall. Es hieß, dass Akademiker grundsätzlich nur Akademikertöchter heiraten sollten, Beamte nur Beamtentöchter und Kaufleute nur die Töchter anderer Kaufleute. Die „guten Familien“ wollten damit „unter sich“ bleiben.

Das „Gleichheitsprinzip“ überlebte aber noch aus einem anderen Grund - aus der Praxis heraus, einen Partner zu wählen, der uns „nahe“ war. Die Nachbarschaft, die Schule, die man einst besuchte, der Freundes- oder Interessenkreis, dem man angehörte, war deshalb wichtig für die Partersuche, weil man sich mit den Menschen „aus der Nähe“ häufiger beschäftigte als mit Fremden. Da Frauen nach dem Zweiten Weltkrieg in stärkerem Maße und auch länger berufstätig waren, lernte man sich später auch in Büros, in Verwaltungen oder Fabriken kennen.

Das 21. Jahrhundert – neue und verworfene Tendenzen der Psychologie

- Unter Psychologen galt auch im 21. Jahrhundert noch der „Gleichheitsgrundsatz“, für den es aber kaum gültige Kriterien gab.
- Im Rahmen der „Einstufungen von Persönlichkeitsmerkmalen“ wurde versucht, psychologische Gemeinsamkeiten bei potenziellen Paaren festzustellen.
- Das funktionierte denkbar schlecht, also ging man dazu über, nur noch grundsätzliche Lebenseinstellungen zu bewerten.
- Dann wurden die Bewertungskriterien infrage gestellt, die auf Persönlichkeitsmerkmalen beruhten. Nun versuchte man, „beziehungsrelevante Aspekte der Persönlichkeit“ heranzuziehen.
- Auch diese Idee wurde letztlich verworfen, weil man auch für „Beziehungsrelevanz“ keine eindeutigen Maßstäbe fand.
- Gegen 2011 wurde erstmals die These vertreten, dass es nicht Persönlichkeitsmerkmale, sondern Fähigkeiten (Kompetenzen) sind, die für das Gelingen von Beziehungen nötig sind. (Durch Guy Bodenmann, Zürich).

In diesem Zusammenhang weise ich darauf hin, dass „Gefühle“ oder „Emotionen“ nicht identisch mit Persönlichkeitsmerkmalen sind. Ich unterstelle jedoch, dass sich aus der Persönlichkeit auch Gefühlsregungen ableiten oder beobachten lassen. Deshalb bleibe ich bei der bekannten Annahme, dass auch Emotionen Teile der Persönlichkeit sind.

Ein Psychologenstreit wird bei der Partnersuche zum Zankapfel

Der Streit unter Psychologen, ob Paare von vornherein „gleich“ sein müssten, schwelte schon vor der Internet-Zeit. Ein Teil der Forscher behauptete, Paare würden sich erst in der Beziehung angleichen. Ein anderer Teil war sich sicher, dass beide Partner von vornherein ähnliche psychische Eigenschaften haben sollten. Allerdings war diese Frage mehr oder weniger bedeutungslos, solange der „kulturelle Hintergrund“ gleich war und die Partner sich „im Nahbereich“ kennengelernt hatten.

Das Thema gewann aber wieder an Bedeutung, als Menschen per Annonce oder durch das Internet („Online-Dating“) über größere Distanzen suchten. Soweit die Bundesrepublik Deutschland betroffen war, stellte man plötzlich kulturelle Unterschiede zwischen den Bundesländern fest. Teilweise fanden die Menschen auch mentale Unterschiede vor, die sie zuvor als „Folklore“ eingestuft hatten.

Wie der Gleichheitsgrundsatz wiederbelebt wurde

Plötzlich hatten die psychologischen Sichtweisen wieder Konjunktur, denn nun benötigten insbesondere die Online-Unternehmen Kriterien, um Personen zusammenzubringen. Die Basis dafür beruhte auf der Theorie der „Gleichheit“, die ihrerseits wieder darauf fußt, dass sich die Persönlichkeitsmerkmale der Erwachsenen nicht mehr verändern. Zugleich wurde mit aller Kraft versucht, den Gleichheitsgrundsatz zu verteidigen, weil er zur Basis für das sogenannte Matching erklärt wurde.

Dichtung und Wahrheit über Persönlichkeitsmerkmale

Wie ist das wirklich? Die Gleichheitstheorie wurde nie wissenschaftlich exakt bewiesen. Bewiesen. Aber das eist nicht alles: Namhafte Psychologen haben inzwischen festgestellt, dass die sogenannten „Persönlichkeitsmerkmale“ nicht in Stein geritzt sind, sondern sich wandeln. Nicht nur über längere Zeiträume, sondern auch situativ und partnerabhängig. Tatsächlich verfügen wir alle über unterschiedliche „Persönlichkeiten“, nämlich sogenannten „Interaktionspersönlichkeiten“.

Dazu ein Zitat im Wissenschaftsjargon:

Die verschiedenen Persönlichkeiten stehen in Korrelation mit korrespondierenden Anpassungsvorgängen beim Partner“. (…) Die Interaktionspersönlichkeit resultiert aus einer partner- und situationsgebundenen Umstrukturierung. In der bisher Latentes manifest (wird) und zuvor Manifestes in den Hintergrund tritt.“


In Alltagssprache übersetzt heißt dies:

In der Beziehung passen wir uns gegenseitig an und dadurch verändern sich auch die Eigenschaften der Personen oder jedenfalls die Art, wie wir sie sehen. Je nachdem, wie Situation ist und mit wem wir zusammen sind, bauen wir unsere Persönlichkeit so um, dass verborgene Eigenschaften hervortreten und (angeblich) fest verankerte Eigenschaften in den Hintergrund treten.



Das alles stark vereinfacht:

Wir ändern uns in der Partnerschaft und damit ändern sich auch unsere Eigenschaften. Manche werden stärker und andere werden schwächer.

Nun interessiert euch, liebe Leserinnen). Natürlich, was sich dadurch für euch unmittelbar ergibt. Vielleicht möchtet ihr auch wissen, was ich dazu tun könnt, um leichter einen Partner zu finden, der „passt“.

Das sehpferd-team hat darüber nachgedacht und einige Informationen zusammengestellt, die tatsächlich hilfreich für dich sein können.

Zitat aus: Jürg Willi "Die Zweierbeziehung", 6. Auflage von 2022
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