Web Analytics Made Easy - Statcounter
Skip to content
 Echte Gefühle und verständliche Kommunikation by sehpferd.

Kommunikation, Gefühle und Manipulation

Wer über Gefühle spricht und schreibt, hat eine andere Blickrichtung auf „Manipulation“ als jemand, der über Änderungen der Kommunikation oder des Verhaltens schreibt. Im Grund ist es so: Gefühle können durch die Entstehung, den „analogen“ Aufbau und durch die Art der Speicherung in unserem Gehirn relativ leicht beeinflusst werden. Die Faktoren, die hier zusammenspielen, sind so vielfältig, dass es und schwerfällt, sie zu beschreiben. Kommunikation hingegen ist ein Werkzeug, und wie jedes Werkzeug ist es in der Lage, sowohl zum Nutzen wie zum Schaden einer Person eingesetzt zu werden.

„Manipulation“ steht zu Unrecht unter dem Verdacht, zum Teuflischen im Menschen zu gehören. Letztlich bedeutet das Wort nichts als „andere zu beeinflussen“ oder nahezu wörtlich: „einen Kunstgriff auszuführen“.

Diese Kunstgriffe dienen dazu, einen Menschen schneller, sicherer und vor allem effektiver auf ein Thema anzusprechen. Solche Kunstgriffe dienen beispielsweise dazu:

1. Die Einführungsphase zu reduzieren (Small Talk möglich bald in einen sinnvollen Dialog zu verwandeln).
2. Vom Allgemeinen auf das Persönliche überzugehen (und auch wieder zurück).
3. Sinnvolle Gesprächsstrukturen anzuwenden.
4. Den Gesprächsverlauf technisch zu beeinflussen.
5. Gesprächsstörungen zu vermeiden.
6. Aktiv Zuzuhören.
7. Einige Notfallmaßnahmen zu kennen und anzuwenden.

Die Unmöglichkeit, keinen Einfluss auszuüben

Wer sagt, dass wir durch Kommunikation niemanden beeinflussen (manipulieren) können, der hat den Sinn der Kommunikation nicht verstanden. Sowohl in der Theorie wie in der Praxis bedeutet „Kommunizieren“, etwas zu bewirken. Einfach und mit der von Paul Watzlawick eingeführten Theorie begründet steht die folgende Logik dahinter:

1. Wir können nicht „nicht“ kommunizieren.
2. Wir können uns nicht „nicht“ verhalten.
3. Wir können einander (unter Anwesenden) nicht „nicht“ beeinflussen.


Selbst wenn wir uns beständig weigern, zu kommunizieren, bewirken wir doch etwas. Wenn wir nun aber bewusst kommunizieren, dann können wir mehr verändern – und vor allem können wir es zielsicherer tun. Dabei steht zunächst gar nichts fest, zu wessen Nutzen oder Schaden.

Die Psychologe und die unscharfe Definition

Die Psychologie weiß sehr wohl, dass Manipulation im Grunde eine der wichtigsten Methoden ist, erkennbare Veränderungen herbeizuführen. Allerdings gibt es in ihr verschiedene Denkrichtungen, die zu unterschiedlichen Bewertungen kommen:

Die verwirrende Welt der Lexika

Die Psychologie versucht zunächst, den Begriff neutral zu erklären. So lesen wir im „Dorsch“:

Manipulation. Handhabung, unscharfer Begriff für verschiedene Formen der Einflussnahme (Steuerung, Ausrichtung, Ausnützung).

Ähnlich bei Stangl:

Als Manipulation bezeichnet man in der Psychologie ganz allgemein die soziale Einflussnahme, die für die Betroffenen sowohl positiv wie negativ sein kann.

Eine völlig andere Darstellung finden wir bei der Bundeszentrale für politische Bildung:

Wenn ich will, dass andere Menschen etwas ganz Bestimmtes tun, versuche ich, sie so zu beeinflussen, dass sie nach meinem Willen handeln.
.

Eine weitaus extremere Meinung wird im Lexikon von „Spektrum“ vertreten:

Manipulation - gezielte Einflussnahme … auf Menschen, ohne deren Wissen und häufig gegen deren Willen … mit dem Ziel, ihn kontrolliert für eigene Zwecke zu benutzen. Dabei bleibt der Anschein von Entscheidungsfreiheit erhalten.


Der neutrale Standpunkt: Lehren heißt Beeinflussen

Wenn du eine Lehrkraft bist, ist es für dich vermutlich ganz selbstverständlich, dass du Tag für Tag Menschen beeinflussen kannst. Schließlich ist das zumindest Grund, warum du den Beruf ergriffen hast. Es wäre völlig unsinnig, zu behaupten, dass es sich dabei nicht um einen Versuch der Manipulation handelt. Er wird durch Lehren und Lernen bestimmt, und der Erfolg wird kontrolliert.

Was wirklich zählt, ist der Schutz vor unerwünschter Manipulation

Wir Menschen benötigen zweierlei: Manipulationsmöglichkeiten einerseits und den Schutz vor unerwünschte Manipulation andererseits. Ohne sinnvolle Manipulation gibt es keine Brücke zwischen Lehrenden und Lernenden. Auf der anderen Seite müssen wir uns gegen Manipulationen wehren, die uns im Deckmantel von Zuneigung, Liebe oder Freundschaft angeboten werden.

Wir sind sowohl dazu aufgefordert, falsche Spiele mit unseren Emotionen zu enttarnen wie auch, Kommunikationsmethoden kritisch zu untersuchen.

Ein Wort zu unserem Autor: Er kennt sowohl die Manipulation durch Gefühle wie auch die Manipulation durch Kommunikation. Insofern kennt er die Unterschiede wie auch die Gemeinsamkeiten aus beiden Welten.

Zitate:

Dorsch
Stangl
bpb junge politik.
spektrum der wissenschaft
Außerdem:
"Menschliche Kommunikation" (ursprüngllich New York, 1967)
The instability of Truth, New York 2025

Der späte Einstieg der Psychologen in die Kommunikationslehre

"Der späte Einstieg der Psychologen in die Kommunikationslehre - und was sich daraus ergibt" wirf viel Licht auf den Einfluss der Psychologie auf Kommunikationstrainings. Alles begann in den 1950-er Jahren.

Wer das Verhalten eines Menschen durch Beobachtungen aufnehmen, verarbeiten und erklären kann, ist im weitesten Sinne ein „Experte für das menschliche Verhalten“. In der Psychologie und der Psychotherapie sagt man dazu auch Behaviorismus und spricht bei der Therapie von Verhaltenstherapie.

Die Grundlage: die Lehre von menschlichen Verhalten

Der eigentliche Schöpfer dieser Wissenschaft war B. F. Skinner, der sie 1953 in seinem Hauptwerk Science and Human Behavior bekannt machte. Damit ebnete er gewissermaßen den Weg der Psychologie zur Kommunikationslehre, an der sie bis zu diesem Zeitpunkt noch wenig Interesse bestand.

Verhaltensänderungen und Kommunikation

Doch nach und nach wurde die „Verhaltensänderung“ zu einem der wichtigsten Bausteine der Psychologie. Die Verhaltenstherapie, die aus dem Behaviorismus abgeleitet wurde, ist in Deutschland eine der wenigen Psychotherapien, die im Gesundheitsbereich anerkannt werden.

Was hat dies nun mit dem Interesse der Psychologie an der menschlichen Kommunikation zu tun?

Die Brücke zwischen Psychologie und Kommunikationslehre

Kurz nachdem sich die Verhaltenstherapie in verschiedenen Ausprägungen durchgesetzt hatte, dachten einige Psychologen daran, eine Brücke zwischen „menschlichere Kommunikation“ und „menschlichem Verhalten“ zu bauen. Zwar heißt es immer wieder, dass die Autoren der ursprünglichen Verhaltenstherapie nach Skinner skeptisch gegenüber. Dennoch wäre die neue Kommunikationstheorie nicht möglich gewesen, wenn es keine „Verhaltenstherapie“ gegeben hätte. Den entscheidenden Satz kann man bei Paul Watzlawick nachlesen, wenn er zusätzlich zum „ersten Axiom“ erwähnt: „Man kann sich nicht nicht“ verhalten. Wenngleich eine Kommunikationsänderung oft nicht als „Verhaltensänderung“ empfunden wird, so ist es eben doch ein Eingriff in die Denk- und Handlungsweise.

Ziele, Theorien, Methoden und Sichtweisen

Was unterscheidet nun die „psychologische“ Sichtweise von der „nicht psychologischen“, soweit es die Kommunikation betrifft?

Psychologie dient oft dazu, unsere Handlungen zu entschlüsseln, um unsere innere Verfassung zu verstehen. Psychotherapie in all ihren Formen beschäftigt sich darüber hinaus damit, Lösungsansätze für bestimmte Störungen zu finden und zu verwirklichen. Das bedeutet: Psychotherapeuten (und psychologische Theoretiker) legen mehr Wert darauf, dem Menschen bei Störungen zu helfen. Nicht-Psychologen neigen eher dazu, den Alltag zu erklären und zu vereinfachen sowie gegebenenfalls auch Veränderungen vorzuschlagen.

Damit sind die Unterschiede weitgehend erklärbar – sowohl in der Theorie wie auch in der Praxis.

Du und deine Wahl – was nützt dir?

Versuche möglichst, einen Anbieter zu finden, der das Hauptaugenmerk auf „verstehen“ einerseits und „verstanden werden“ anderseits legt. Solche Methoden sind variabel - sie können später auf nahezu jede Situation und jeden beruflichen Einsatz angepasst werden. Ob du dein Verhalten dabei gründlich „aufpolierst“, kannst du ebenfalls selber entscheiden.

Manchmal werden Kommunikationsseminare veranstaltet, um Personen vor Manipulation zu schützen – was ich außerordentlich begrüße. In diesem Fall wird sich dein Verhalten ebenfalls etwas verändern, aber es ist keine „Verhaltensänderung“ im psychologischen Sinne.

Andererseits wird aber auch versucht, unter dem Oberbegriff „Kommunikation“ Lehren zu verbreiten, die dein Verhalten massiv beeinflussen können. Die Frage ist dabei, ob du dies wirklich willst.

Einschneidende Verhaltensänderungen sind ein weites Feld – nur wenn du sie wirklich willst und ziemlich viel Zeit darauf verwendest, wirst du Erfolg haben. Wenn es dich wirklich interessiert, wie es funktioniert, schau mal in einem dieser Bücher nach:

1. Self-Directed Behavior: Self-Modification for Personal Adjustment, International Edition (2013).
2. Einübung in Selbstkontrolle (Watson/Tharp), München 1971 (Bibliotheken, Antiquariate)
2.Frauke Teegan: sich ändern lernen - Anleitungen zur Selbsterfahrung und Verhaltensmodifikation Taschenbuch – 1. Januar 1976 (Antiquariate)



Fühlen wir Menschen seit Jahrtausenden gleich?

Was würde sie uns wohl zum Thema sagen?
Gefühle sind nur mit Mühe beschreibbar. Aus dieser Sicht fällt es uns auch schwer, sie zu begreifen. Sie sind nicht so einfach „erfassbar“, und alles, was wir nicht wirklich mit unseren Sinnen erfassen können, ist irgendwo im Nirgendwo unseres urtümlichen Denkens angesiedelt. In meiner Sprache ist es der „analoge“ Teil der Gefühle.

Die Psychologie und ihre Interpretation der Gefühle

Die Psychologie interpretiert Gefühle – sie kann sie ebenso wenig zuverlässig beschreiben wie wir selbst. Immerhin soll es ja möglich sein, den Teil der Gefühle zu beschreiben, der „von außen erkennbar“ sind. Dann heißen sie Emotionen. Sie „bewegen“ uns, nehmen Einfluss auf uns und sind für andere erkennbar.

Neue Gedanken - könnten Gefühlsregungen kulturabhängig sein?

Neuerdings interessieren sich Historiker für Emotionen. Das liegt vor allem daran, dass die Annahmen, menschliche Gefühle seinen über Jahrhunderte gleich geblieben, nicht mehr haltbar ist. Vielmehr hat sich inzwischen die Sichtweise der Gefühle innerhalb eines einzigen Menschenalters erkennbar gewandelt.

Vereinfacht gefragt - und eine vorläufige Antwort

Die Grundfrage, stark vereinfacht, wäre:

Können wir davon ausgehen, dass ein Mensch nach der neolithischen Revolution die gleichen Gefühle beibehielt wie zuvor? Oder: Fühlte ein Mensch im Mittelalter sich genauso wie einer, der heute (2026) lebt?

Sehr wahrscheinlich ist die Antwort „Nein“, weil die äußeren Bedingungen anders waren.

Die Historikerin Ute Frevert schreibt dazu:

(Die Versuchung der Geschichte besteht darin) … Gefühle, Emotionen, Passionen in ihren jeweiligen und historisch wechselnden Erfahrungskontexten aufzuspüren. Der sprachliche und nicht sprachliche Ausdruck von Emotionen (denken wir an Musik, Bilder, Gesten und Tanz) zeigt eine ungeheure Vielfalt, sowohl sozial als auch zeitlich und räumlich. Unterschiedliche Kulturen legen unterschiedliche Regeln des emotionalen Ausdrucks fest. Der Ausdruck aber, davon geht die kulturwissenschaftliche Emotionsforschung aus, prägt die Emotion selber – die ohne Ausdruck möglicherweise gar nicht existiert.

Was ist mit der Evolution?

Nehmen wir mal an, dass wir von der Evolution bestens damit ausgestattet wurden, uns anzupassen und vor allem, dabei etwas „dazuzulernen“. Dann ist das, was wir fühlen, eher ein Ergebnis der Kultur als der Natur, kann aber dennoch als „natürlich“ bezeichnet werden.

Zum Schluss noch ein Zitat von Jutta Stalvor aus ihrer 2010 vorgelegten Doktorarbeit (2).

Kulturelle Prägung ist … nicht des Menschen „zweite Natur“, sondern Teil seiner „ersten Natur“ – es ist seine Natur, über andere Menschen, über Lernen und über gesellschaftliche Einbindung ein Mensch zu werden.

Ich selbst habe diesen Anhang 2016 für mein (inzwischen erweitertes) Gefühlsblog geschrieben.

(1) Pressemitteilung der FU Berlin.
(2) Doktorarbeit (Stalvor)

Bild © 2026 bei sehpferd.de

Emotionen – wie Psychologen sie heute sehen

Funktion des Sehens und der Einordnung der Eindrücke - aus den Aufzeichnungen des Arztes Fritz Kahn.

Der Artikel "Emotionen – wie Psychologen sie heute sehen" wurde 2025 in einfacher Sprache verfasst.

Was unser Gehirn mit all den Impulsen macht, die wir aus der Umwelt empfangen, wirklich an „Emotionen“ erzeugt, wissen wir nicht. Die Psychologie nimmt an, dass es sich dabei um einen „komplexen Vorgang handelt“. Er lässt sich also deswegen schwer beschreiben, weil er teils aus bekannten, teils aber auch aus unbekannten Komponenten besteht.

Was passiert, bevor wir Emotionen haben?

Das von mir mehrfach beschrieben „Black-Box-System“ ist bestens geeignet, dies zu zeigen: Wir wissen, was in unser Gehirn „eingefüttert“ wird, und das können wir auch beschreiben. Wir wissen aber nicht genau, was unser Gehirn damit „anstellt“. Andererseits können wir aber erfahren, was dabei „herauskommt“. Typisch und allgemein bekannt ist das „Erröten“.

Man nennt diese Art von Emotionen „Verhaltenskomponenten“, zu denen alle körperlichen Reaktionen gezählt werden können, die auf eine Gefühlslage hinweisen. Beispielsweise Gestik und Mimik, Schwitzen und Erröten, weiche Knie oder erkennbarer Stolz, ebenso wie Körperhaltungen, die zeigen, dass wir uns öffnen oder verschließen.

Rückwärtsgang: Von Emotionen auf das "Fühlen" schließen?

In der vereinfachten, volkstümlichen Psychologie versucht man, den Rückschluss zu finden: Wir erröten, also schämen wir uns. Wir erzittern, also fürchten wir uns. Wir fürchten uns vor zu viel Aufmerksamkeit, also machen wir uns klein.

Ein psychologisches Lexikon weiß darüber allerdings, dass man von solchen „Verhaltenskomponenten“ nicht auf das tatsächliche Fühlen schließen sollte. Letztlich bedeutet dies, dass unser Verhalten zwar unsere Emotionen bildhaft zeigt, aber nicht immer unsere „inneren“ Gefühle ausdrückt. Wir haben ja unser ganzes Leben lang gelernt, unsere Emotionen an die Situation anzupassen, also nicht „mit der Tür ins Haus zu fallen“ oder auf keinen Fall unsere Gefühle schonungslos zu offenbaren.

Das Lexikon sagt darüber aus:

Emotionen haben eine wichtige Bedeutung für Motivationsprozesse. Sie leiten zielgerichtetes Verhalten ein und begleiten es.

Mit anderen Worten: Emotionen können auch zur Manipulation eingesetzt werden.

Die Schwierigkeit: Wirkliche Gefühle erleben und darstellen

Psychologen stellen ich häufiger die Frage: „Wie werden Gefühle erlebt?“ Und sie versuchen, darauf Antworten im Gespräch mit Personen zu finden. Ähnliche Fragen stellen sich Schriftsteller, die Gefühle ausführlich beschreiben wollen.

Dieser Teil ist mit Sicherheit schwierig, weil im Grunde nur die einzelne Person wissen kann, was sie „wirklich fühlt“, und nur sie kann diese Gefühle wirklich beschreiben. Für Schriftsteller gilt deshalb bei Gefühlen: „Show, don’t tell. Das bedeutete, die Gefühle bildhaft zu beschreiben, was wieder nur gelingt, wenn der Autor oder die Autorin auf das Verhalten und/oder die körperlichen Empfindungen zurückgreift.


Einfacher Text
Dieser Text wurde in einfachem Deutsch geschrieben. Er entspricht den neuesten Betrachtungen zum Thema.

Zitat: Dorsch
Bildquelle: Aus den Aufzeichnungen des Arztes Fritz Kahn, Internet-Archiv