Durch Begriffe wie „Vier Ohren“, „vier Schnäbel“ oder „das Kommunikationsquadrat“ ist die Methode von Friedemann Schulz von Thun bekannt geworden. Sie gilt als die meistbenutzte Methode in den D-A-C-H-Ländern und ist insbesondere in Deutschland ausgesprochen populär. Sie ist einzigartig, weil sie sowohl eine eigenständige Theorie darstellt, wie auch ein praktisches Trainingskonzept enthält.
Ohren, Schnäbel und Seiten einer Kommunikation nach Schulz von Thun
Einfach ausgedrückt, setzt Schulz von Thun bei der von Paul Watzlawick eingeführten Trennung von Inhalts- und Beziehungsaspekt an. Dazu kommen jedoch noch zwei weitere Aspekte: der Appell und die Selbstoffenbarung.
Mit 4 Ohren hören
Was ist ein Inhaltsaspekt?
Im Grunde nichts als der sachliche Teil der Kommunikation, der eine Nachricht enthält.
Was ist ein Beziehungsaspekt?
Ein Beziehungsaspekt betrifft die Gefühle oder die Einschätzung des Empfängers einer Botschaft aus der Sicht des Senders.
Was bedeutet ein „Appell“?
Mit einem Appell will der Sender erreichen, dass der Sender etwas tut, oder aber unterlässt. Es kann sich um eine Bitte, einen Wunsch, eine Vorstellung oder einen Befehl handeln.
Was bedeutet Selbstoffenbarung?
Damit lassen wir Teile unserer Persönlichkeit in die Kommunikation einfließen. Man sagt auch „ICH-Botschaften“ oder „Selbstkundgabe“ dazu. Meist geht diese Botschaft vom Sender aus. Der Begriff wird auch verwendet, wenn Gefühle in der Kommunikation eine zentrale Rolle spielen.
Das System: Schulz von Thun und seine Vorbilder
Schulz von Thun selbst nennt zahlreiche psychologische Schulen, auf die er sich bei der Entwicklung seiner Seminare beruft. Die Reihe reicht von Alfred Adler, dem Schöpfer der Individualpsychologie über Ruth Cohn, der wir die für Kommunikationssysteme interessante „Themenzentrierten Interaktion“ verdanken bis zu Paul Watzlawick. Er nennt weiterhin Fritz Perls, vorm allem aber Carl Rogers, dessen Einstellung und Gesprächstechnik sich in den Gedanken von Reinhard Tausch wiederfanden. Mit Tausch und Inghard Langer entwickelte er gemeinsame das „Hamburger Verständlichkeitskonzept“, das wieder zum Vorbild des 4-Ohren-Prinzips wurde. (Ab ca. 1971)
Die Methode in Büchern und im Internet
Diese Grundlagen werden von Schulz von Thun sowohl auf seiner Webseite wie auch in einer Buchreihe ausführlich erklärt. Die Vorteile des von ihm gefundenen Systems sind vielfach beschrieben worden (1):
Betont werden vor allem die vielen Möglichkeiten, das neue Modell anzuwenden, wobei die Aspekte auf die Zielgruppe zugeschnitten werden können. Darüber hinaus können mit dem Modell auch komplexe Kommunikationsprozesse analysiert werden.
Das Modell, das hinter dem System steht, kann auf fast allen Gebieten eingesetzt werden, bei denen Kommunikation eine Rolle spielt. Besonders geeignet ist es für Workshops oder Trainings, in denen die Kommunikationsfähigkeiten geschult werden sollen.
Im namhaften „Dorsch“ (2) heißt es dazu:
Kommunikationstrainings beruhen häufig auf dem Vier-Seiten-Modell der Kommunikation von Schulz von Thun und zielen mehr oder weniger explizit darauf ab, den Umgang mit diesen verschiedenen Seiten einer Nachricht zu verbessern.
Weil das Modell so vielseitig ist, kann es sowohl in der Wirtschaft wie auch im Sozialbereich eingesetzt werden.
Wenn nötig, können mehrere Inhalte einer Botschaft aus den bei der Kommunikation verwendeten Sätzen ausgefiltert werden.
Wenig Kritik am Modell
Die Kritik am System setzt zumeist bei den beiden „exklusiven“ Seiten des Modells an: Bei der Selbstoffenbarung und beim Appell. Für einige Kritiker sind „Vier Ohren“ zu viel, für andere ist das Modell noch zu einseitig auf „diese vier“ Möglichkeiten ausgerichtet. Als schwächster Teil gilt die „Selbstoffenbarung“. Häufig wird argumentiert, das System sei zu vielschichtig, um es „vor Ort jederzeit“ anzuwenden. Zu bedenken ist dabei allerdings, dass nicht immer alle vier Aspekte beachtet werden müssen.
Die Kritik an dieser Methode fällt vor allem deshalb deutlich schwächer aus, weil bei diesem Modell Theorie und Praxis weitgehend übereinstimmen.
Quellen:
Zitat 1: Zusammenfassung des Autors aus mehreren Stellungnahmen von Fachleuten.
Zitat 2: (Dorsch)
Webseite zum Thema Kommunikationsquadrat, Vier-Ohren-Prinzip.
Buchreihe: Drei Bände, (hier nur Band 1): Miteinander reden 1: Störungen und Klärungen. Allgemeine Psychologie der Kommunikation.
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