Fühlen und Worte - ist es nötig, Gefühle verständlich zu beschreiben?
Am Anfang war nicht das Wort - jedenfalls nicht in der menschlichen Entwicklungsgeschichte. Erst nach und nach erlernten unsere Vorfahren, etwas zu benennen - vorher haben sie es bestenfalls gezeichnet. Als Ursprung der Sprache gilt zumeist die Frage nach gemeinsamen Aktivitäten, besonders der Jagd in Gruppen.
Mit „Wörtern“ bezeichnete man zunächst Dinge, aber auch Aktivitäten und Naturphänomene. Wörter auf abstrakte Begriffe wie das „Fühlen“ anzuwenden, ist relativ neu. Seit wir Forschen, haben wird die Neigung entwickelt, jeden beliebigen Zustand mit einem Wort zu belegen. Ist ein Wort gefunden, so wird es schnell zum Etikett, das auch sinnfrei verwendet werden kann.
Die Etikettierung erweist sich bei Gefühlen als Problem, den bei ihnen ist nicht die Frage, was sie sind, sondern wie sie empfunden werden. Deshalb nennt man „Gefühle in Bewegung“ auch „Emotionen“.
Das alles wissen die Forschenden in den Geisteswissenschaften natürlich auch. Sie fragen sich beispielsweise, ob Gefühle überhaupt sprachliche Fähigkeiten voraussetzen, etwa in diesem Text:
Die Frage, die sich der Autor stellt, ist: Benötigen wir eigentlich Worte, wenn wir Gefühle beschreiben wollen?
Gefühle, Wörter und Sätze
Diese Frage sollte man grundsätzlich nicht an einen Philosophen richten. Vielmehr sollte man Fachleute für menschliche Kommunikation befragen, denn ein Grundsatz wäre: Wenn wir Gefühle durch Worte übertragen wollen, dann muss die Person „A“ annähernd den gleichen Zeichenvorrat haben wie die Person „B“. Einfacher ausgedrückt: Ein Wort wie „Wut“ oder „Lust“ müsste für beide die gleiche Bedeutung haben. Wer nun sagt „na klar doch!“ der hat nicht bedacht, warum wir Gefühle kommunizieren, also „miteinander teilen“ wollen. Denn wenn wir es tun, wollen wir etwas klären. Was heißt, dass uns das Wort eben in dem Zusammenhang, indem wir es gerade benutzen, nicht ausreicht.
Er: „Ich bin manchmal etwas wütend auf dich!“
Sie: „Das ist aber keine gute Eigenschaft von dir“
Solch ein Dialog ist völlig sinnfrei. Das Gefühl wird genannt, aber es kann nicht vermittelt werden.
Verändern wird den Dialog doch mal ein wenig:
Er: „Ich bin manchmal etwas wütend auf dich!“
Sie: „Du, das habe ich gar nicht bemerkt. In welcher Situation war denn das?“
Er: „Wenn du mich vor meinen Freunden bloßstellst, und das kommt ziemlich oft vor.“
Sie: Aber - ich habe dich nie wütend werden sehen, wenn wir mit Freunden zusammen waren …“
Ich verlass das Ehepaar nun und stelle nur fest: „Aha, da gibt es offensichtlich Klärungsbedarf.“ Die Wut wurde nie sichtbar, und dennoch empfindet der Mann sie – die Frau hingegen hat die Wut nicht einmal wahrgenommen.
Das kleine Beispiel (eines von vielen ähnlichen Bespielen) mag zeigen, dass ein Wort allein weder ein Basisgefühl noch eine Emotion beschreibt. Deswegen rate ich euch, im Alltag möglichst gar keine Etiketten zu benutzen, sondern zu erklären, „was mit euch los ist“.
Dieser Artikel wurde in verständlichem Deutsch für Lehrende und Lernende geschrieben.
Zitat und weitere Informationen aus degruyter.
Mit „Wörtern“ bezeichnete man zunächst Dinge, aber auch Aktivitäten und Naturphänomene. Wörter auf abstrakte Begriffe wie das „Fühlen“ anzuwenden, ist relativ neu. Seit wir Forschen, haben wird die Neigung entwickelt, jeden beliebigen Zustand mit einem Wort zu belegen. Ist ein Wort gefunden, so wird es schnell zum Etikett, das auch sinnfrei verwendet werden kann.
Die Etikettierung erweist sich bei Gefühlen als Problem, den bei ihnen ist nicht die Frage, was sie sind, sondern wie sie empfunden werden. Deshalb nennt man „Gefühle in Bewegung“ auch „Emotionen“.
Das alles wissen die Forschenden in den Geisteswissenschaften natürlich auch. Sie fragen sich beispielsweise, ob Gefühle überhaupt sprachliche Fähigkeiten voraussetzen, etwa in diesem Text:
In einer biologischen Perspektive werden Gefühle zumeist als ein beobachtbares, in der Regel vererbtes Reaktionsmuster angesehen, das durch Ereignisse in der Umwelt bzw. durch bestimmte Reize ausgelöst wird. Tiere, die ihr Leben in einem Reich jenseits der Sprache fristen, und Kinder, die noch keine sprachlichen Fähigkeiten im vollumfänglichen Sinne besitzen, haben Gefühle; vielleicht nicht in demselben Grad von Differenziertheit wie erwachsene Menschen, aber entscheidend ist, dass sie Gefühle haben bzw. haben können. Dass Gefühle sprachliche Fähigkeiten voraussetzen oder sie in irgendeinem Sinne mit Begriffen zusammenhängen, scheint zunächst einmal eine abwegige These zu sein.
Die Frage, die sich der Autor stellt, ist: Benötigen wir eigentlich Worte, wenn wir Gefühle beschreiben wollen?
Gefühle, Wörter und Sätze
Diese Frage sollte man grundsätzlich nicht an einen Philosophen richten. Vielmehr sollte man Fachleute für menschliche Kommunikation befragen, denn ein Grundsatz wäre: Wenn wir Gefühle durch Worte übertragen wollen, dann muss die Person „A“ annähernd den gleichen Zeichenvorrat haben wie die Person „B“. Einfacher ausgedrückt: Ein Wort wie „Wut“ oder „Lust“ müsste für beide die gleiche Bedeutung haben. Wer nun sagt „na klar doch!“ der hat nicht bedacht, warum wir Gefühle kommunizieren, also „miteinander teilen“ wollen. Denn wenn wir es tun, wollen wir etwas klären. Was heißt, dass uns das Wort eben in dem Zusammenhang, indem wir es gerade benutzen, nicht ausreicht.
Er: „Ich bin manchmal etwas wütend auf dich!“
Sie: „Das ist aber keine gute Eigenschaft von dir“
Solch ein Dialog ist völlig sinnfrei. Das Gefühl wird genannt, aber es kann nicht vermittelt werden.
Verändern wird den Dialog doch mal ein wenig:
Er: „Ich bin manchmal etwas wütend auf dich!“
Sie: „Du, das habe ich gar nicht bemerkt. In welcher Situation war denn das?“
Er: „Wenn du mich vor meinen Freunden bloßstellst, und das kommt ziemlich oft vor.“
Sie: Aber - ich habe dich nie wütend werden sehen, wenn wir mit Freunden zusammen waren …“
Ich verlass das Ehepaar nun und stelle nur fest: „Aha, da gibt es offensichtlich Klärungsbedarf.“ Die Wut wurde nie sichtbar, und dennoch empfindet der Mann sie – die Frau hingegen hat die Wut nicht einmal wahrgenommen.
Das kleine Beispiel (eines von vielen ähnlichen Bespielen) mag zeigen, dass ein Wort allein weder ein Basisgefühl noch eine Emotion beschreibt. Deswegen rate ich euch, im Alltag möglichst gar keine Etiketten zu benutzen, sondern zu erklären, „was mit euch los ist“.
Dieser Artikel wurde in verständlichem Deutsch für Lehrende und Lernende geschrieben.Zitat und weitere Informationen aus degruyter.

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