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 Echte Gefühle und wie sie beschrieben werden können.

Ich will meine Gefühle ändern … von der Schwierigkeit, Emotionen wirklich zu verändern

Persönliche Veränderungen – egal welche, sind für manche Menschen eine Herausforderung, der sie sich gerne stellen. Andere fürchten solche Veränderungen und versuchen, sie zu vermeiden, so gut es geht.

Können wir Emotionen verändern?

Bei den Emotionen ist die Frage, ob du sie überhaupt verändern solltest, denn mit den Emotionen veränderst du dein Verhalten. Und das Verhalten ist wirklich wichtig, wenn du viel mit Menschen zusammenkommst – beruflich oder privat.

Letztendlich schlagen sich alle Emotionen in deinem Verhalten nieder, also:

- In deinem Verhalten zeigen sich deine Emotionen.
- Emotionen anderer können dein Verhalten beeinflussen.


Vorteile durch Gefühle erzielen, Nachteile vermeiden

Es gibt zwei Gründe, warum du an deinem Verhalten und den damit verbundenen Gefühlen „arbeiten“ willst:

Grund eins: Ich will, das andere mehr von meinen Gefühlen bemerken, um Vorteile dadurch zu erlangen.
Grund zwei: Ich möchte erreichen, dass andere nicht jedes meiner Gefühle bemerken, weil ich dadurch Nachteile befürchte.

Watson/Tharp sagen dazu in ihrem Buch „Grundlagen und Methoden der Verhaltensänderung“:

„Die Techniken der Selbstveränderung können entweder dazu eingesetzt werden, um unerwünschtes Verhalten abzuschwächen oder erwünschtes Verhalten aufzubauen.“

Bevor du beginnst ...

Doch bevor du damit beginnst, sollten Methoden, Wege und Ziele klar sein – und das ist leichter gesagt als getan. Das erwähnte Buch hat 13 Kapitel und 305 Textseiten, und ich habe keine Ahnung, ob sich jemals ein Mensch danach gerichtet hat.

Ein guter Rat ist, „klein zu beginnen“, das heißt, zunächst mal nur aufzuschreiben, wann du am Tag etwas Erwünschtes oder Unerwünschtes gefühlt hast. Dadurch wirst du dir klar darüber, was du überhaupt „anders erleben willst“. Bist du dir klar darüber, dann kannst du versuchen, etwas zu verändern, indem du in kleinen Schritten versuchst, dich so zu verhalten, wie du es eigentlich willst. Und weil es dir um Gefühle geht, ist vor allem wichtig, für dich selbst festzustellen, wie deine Gefühle während der Beobachtung waren. Nur dann kannst du auch feststellen, wie sich verändern, wenn du ein neue Verhalten ausprobierst.

Wirksam werden - wann stellt sich der Erfolg ein?

Ich weiß – das ist kleiner Teil von allem, und es kann wirklich ein paar Monate dauern, bis du genug darüber weißt. Aber indem ich dir sage: „Es kann etwas dauern“ sage ich die Wahrheit. Ich muss nichts versprechen, weil ich dir nichts verkaufen will.

Wenn du dies alles beherzigt hast, kannst du wirklich mit dem „Umbau“ deines Verhaltens beginnen – möglichst konsequent. Und ich habe noch eine gute Nachricht für dich, die all Menschen kennen, die sich mit „Veränderungen“ beschäftigen. Denn sobald du dein Verhalten beobachtest oder damit beginnst, Probleme zu beschreiben, verändert sich der Gegenstand deiner Beobachtung – also auch dein Verhalten.

Aus meiner Sicht:

Der Aufwand, etwas genau zu beobachten, ist gering im Vergleich zu dem Aufwand, etwas zu verändern, ohne es zuvor beobachtet zu haben. Und der Erfolg ist wesentlich wahrscheinlicher, wenn du deine Schwächen genau kennst und weißt, in welchen Situationen du dich kontrollieren willst.

Wir haben uns bei diesem Artikel bemüht, alles in verständlichem Deutsch zu schreiben. Er enthält allerdings Zitate aus einem Fachbereich oder nutzt ein entsprechendes Vokabular und wendet sich vor allem an Leserinnen und Leser, die ihr Wissen vertiefen wollen. Der Beitrag enthält Meinungen zur Lösung von persönlichen Problemen und zur Selbstkontrolle der Emotionen.

Zitat aus: "Grundlagen und Methoden der Verhaltensänderung", München 1975 (Originaltext 1972).

Johari-Fenster – ein Modell für Gefühle?

Das Johari-Fenster - ist es wirklich noch brauchbar?
Wer über Selbst- und Fremdwahrnehmung nachdenkt, kommt früher oder später mit dem Johari-Fenster in Berührung. Es ist ein Modell, das beide Einschätzungen in vier „Scheiben“ eines Fensters darstellt. Entwickelt wurde es in den 1950er-Jahren. Bekannt wurde es vor allem dadurch, dass es in sogenannten „gruppendynamischen Prozessen“ angewendet wurde. Dabei wurden neben den Eigenschaften der Personen auch ihre Gefühle freigelegt.

Das Fenster besteht aus vier Bereichen:

1. Meiner öffentlichen Person – wie ich mich wahrnehme und andere auch. (LO)
2. Meine Eigenschaften, die ich nicht wahrnehme, andere aber schon. – den „Blinden Fleck“. (RO)
3. Meiner Privatheit, die ich nicht zeigen will. (LU)
4. Meine Eigenschaften, die ich nicht kenne und andere auch nicht wahrnehmen können. (RU)


Johari-Fenster mal anders

Das Ziel kann entweder sein, die Unterschiede zu erkennen oder die Bereiche zu verschieben. Soll dabei die Größe der Fensterscheiben verändert werden, so bedeutet dies für den Einzelnen in der Regel, sich möglichst „weit zu öffnen“ oder sein Verhalten anzupassen.

Sind Veränderungen das Ziel, so geht es häufig darum, den „Blinden Fleck“ zu verkleinern, also zu erfahren, was andere über dich „wissen“. In der Folge wird oft erwartet, dass du dich anpasst. Je nach dem Zweck des Seminars kann es aber auch sein, deine Privatheit teilweise aufzugeben und dich anderen zu „öffnen“. Die Erwartung der Seminarleiter gehen dahin, das Zusammenleben oder die Zusammenarbeit dadurch zu verbessern, und sie erhoffen sich dadurch „positive Effekte“. Weil das System auch in Selbsterfahrungsgruppen verwendet wird, glauben manche Menschen, dass es auch Einfluss auf das psychische Empfinden hat.

Die Bewertung des Johari-Fensters

Vorteile:

1. Das Modell ist nützlich, um zu zeigen, dass die vier Bereiche modellhaft existieren, und deshalb ist es durchaus geeignet, auch öffentliche sichtbare und geheime Emotionen darzustellen.
2. Es eignet sich auch, um die Auswirkungen der Emotionen bei sich selbst und anderen zu überprüfen.

Nachteile:

1. Beim Johari-Fenster werden Begriffe wie „Ehrlichkeit und Offenheit“ stark strapaziert. Wie viel Offenheit und Ehrlichkeit wird verlangt? Was ist, wenn du den Zugriff auf deine Gefühle verweigerst?
2. Die ganze Prozedur wirkt angeblich nur dann, wenn die Teilnehmer (also auch du) bereit sind, sich zu verändern.

Unser Eindruck vom Johari-Window

Das Johari-Fenster erweist sich als bedingt brauchbares Modell, das nach 70 Jahren etwas an Attraktivität eingebüßt hat. Obwohl es im ersten Moment verblüfft, zeigt es auf den zweiten Blick Schwächen. Am besten eignet sich das Modell für feste Gruppen. Das ist heute auch das Haupteinsatzgebiet.

Dieser Artikel wurde in verständlichem Deutsch für Lehrende und Lernende geschrieben. Der Artikel enthält Meinungen aus über einem halben Jahrhundert (ca. 1960 bis 2024).

Eine generelle Kritik des Modells findet ihr im Anhang.
"Johari-Fenster – ein Modell für Gefühle?" vollständig lesen