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 Echte Gefühle und wie sie beschrieben werden können.

Kommunikation – die Theorie von Paul Watzlawick entschlüsselt, erklärt und vereinfacht

Paul Watzlawick, ein österreichisch-amerikanischer Psychologe, hatte die Fähigkeit, komplizierte Sachverhalte äußerst verständlich zu beschreiben. In dem von ihm verfassten Standardwerk „Menschliche Kommunikation“ verbindet er die Erkenntnisse der Kybernetik und Nachrichtentechnik mit solchen aus der Sprachwissenschaft und Psychologie. „Kommunikation“ wird von ihm letztlich mit „Verhalten“ gleichgesetzt.

Das Werk stammt aus dem Jahr 1967 (Deutsch: 1969), wurde also vor etwa 60 Jahren geschrieben. Zum Zeitpunkt der Erstausgabe löste es eine Revolution in der Betrachtungsweise der Kommunikation aus.

Ich will versuchen, den theoretischen Hauptteil seines Werkes aus heutiger Sicht verständlich zu beschreiben, ohne den Ursprung zu verfälschen.

Für die „Eckpunkte“ oder „Anker“ benutzte er das Fremdwort „Axiome“. Im Grunde handelt es sich um Annahme, die sich weder beweisen noch bezweifeln lassen.

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Axiom Nummer 1: Die Unmöglichkeit, nicht zu kommunizieren

Dies dürfte die bekannteste Aussage von Watzlawick sein – und sie ist zugleich die entscheidende Aussage überhaupt. Watzlawick wagt, auch das Verhalten ohne Worte und ohne erkennbare Gesten in die Kommunikation einzubeziehen, im Grunde also „das Verhalten“.

Watzlawick selbst sagt es in einfachen Worten:

„Worte oder Taten, Handeln oder Nicht-Handeln haben alle Mitteilungscharakter – sie beeinflussen andere.“

Anders ausgedrückt: Die Anwesenheit oder der Auftritt ist bereits der erste Schritt, mit dem wir kommunizieren. Dieses Verhalten teilen wir mit den meisten Säugetieren: Wir fragen uns, was ein anderes Exemplar der Gattung tun wird. Und wir gewinnen damit einen ersten Eindruck vom anderen wie auch das jeweils „andere“dadurch auch einen ersten Eindruck von uns gewinnt.

Stark vereinfacht: Wir kommunizieren auch, wenn wir nicht sprechen oder keine sichtbaren Zeichen anderer Art verwenden.

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Axiom Nummer 2: Inhalts- und Beziehungsaspekte

Beim zweiten Axiom geht es darum, dass nicht nur Inhalte (Worte) vom Sender zum Empfänger transportiert werden, sondern vor allem darum, was diese Worte für den Empfänger bedeuten.

Das „zweite Axiom“ wird im Originaltext so beschriebe: “Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und Beziehungsaspekt, derart, dass Letzterer den ersten bestimmt und daher eine Metakommunikation ist“. Dieser Satz wurde aber von Watzlawick selbst mit einer Anmerkung versehen, die besagt, dass er dabei missverstanden werden könnte. Wer daran interessiert ist, sollte selbst nachlesen (Seite 64, Anmerkung 4). Ich empfehle Lernenden, die vereinfachten Versionen zu nutzen:

Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und Beziehungsaspekt.

Stark vereinfacht: „Die Worte, die ich gebrauche oder vermeide, wähle ich nach der Art von Beziehung, die ich zum Partner habe“.

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Axiom Nummer drei: die Interpunktion

Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt.

Dieses dritte Axiom ist kaum in einen verständlicheren Text zu übertragen und wird deshalb zumeist in „Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung“ umgesetzt. Beides trifft nicht völlig den Kern, denn in Wahrheit ist die Folge von Ursache, Wirkung und Rückwirkung gemeint oder auch der Kreisprozess, in dem sich die Partner befinden. Watzlawick verweist bei der „Interpunktion“ oft auf Streitgespräche zwischen Ehepartner, die immer nach dem gleichen Schema ablaufen. Ein Beispiel aus dem Alltag eine Ehe wäre demnach Ronald D. Laings Gedicht „Do You Love Me“, veröffentlich in „Knots“.

Stark vereinfacht: Wenn ein Gespräch einem Muster folgt und dies ständig wiederholt wird, ergibt sich keine neue Sichtweise.

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Axiom Nummer vier: analoge und digitale Kommunikation

Zitat: "Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten."

Für menschliche Kommunikation unter Anwesenden ist typisch, dass zwei Kanäle für die Kommunikation benutzt werden können: digital und analog. Laut Watzlawick ist die digitale Kommunikation genauer und vielseitiger, sie kann aber Gefühle nur unzureichend vermitteln. Die analoge Kommunikation hingegen ist nicht völlig eindeutig, kann aber Emotionen intensiver und gezielter übermitteln.

In jedem der beiden Kanäle können sich während eines Gesprächs Missverständnisse und Widersprüche bilden. Noch schwieriger wird es jedoch, wenn sich die analoge Kommunikation von der digitalen Kommunikation unterscheidet.

Stark vereinfacht: Das Gesicht kann eine andere Aussage zeigen als die Worte, die jemand benutzt.

Hinweis: Selbstverständlich kann man im Deutschen auch „Verbal“ und „Nonverbal“ benutzen, weil solche Ausdrücke hierzulande „üblich“ sind. Sie haben jedoch eine etwas unterschiedliche Bedeutung.

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Axiom Nummer fünf: Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär.

Watzlawick sagt: „Beziehungen können auf Gleichheit oder Ungleichheit beruhen.“

Er erklärt dazu, dass Symmetrie vorherrscht, wenn beide Kommunikationspartner nach Gleichheit streben und versuchen, Ungleichheiten untereinander zu minimieren. Komplementäre Beziehungen hingegen zeichnen sich dadurch aus, dass beide Parteien sich ergänzen und unterschiedliche Rollen in der Beziehung übernehmen. Häufig bestimmt bei Letzterem eine gewisse Unterordnung den Interaktionsprozess.

Wichtig aus heutiger Sicht ist vor allem, dass es in der alltäglichen Praxis beide Arten von Beziehungen gibt, also auch beide Arten von Kommunikation. Auch darauf weist Watzlawick hin und er warnt davor, die beiden Kommunikationsformen als „gut" oder „schlecht“ einzustufen.

Stark vereinfacht: Die Rolle der Macht ist ein Element der Kommunikation, das immer vorhanden ist, sich aber unterschiedlich auswirkt.

Die Axiome von Paul Watzlawick aus heutiger Sicht

Das Fazit: Die Aufteilung in fünf „Axiome“ oder „Verankerungen“ wirkt aus heutiger Sicht (2026) etwas willkürlich. Allerdings dachte Watzlawick bei der Entschlüsselung der menschlichen Kommunikation eher an „Störungen“ als daran, ganz gewöhnliche Alltagssituationen unter den Gesprächspartnern zu meistern.

Kommunikationstrainings und Watzlawicks Theorien

Paul Watzlawick stellt uns in seinem Buch einen „pragmatischen Ansatz“ vor. Das ist ein Weg, der sich unmittelbar mit der Kommunikation und dem Verhalten der Menschen beschäftigt, statt sich auf die Theorie zu beziehen.

Für Kommunikationsseminare muss der Ansatz allerdings deutlich vereinfacht und mit geeigneten Methoden und den entsprechenden Werkzeugen ergänzt werden. Oder kurz: Wenn sich der Inhalt des Seminars auf Watzlawick beruft, ist zumeist nur von den theoretischen Grundlagen die Rede.

Kritik an Watzlawicks Theorie

Der größte Teil der Kritik an Watzlawicks Theorien beruht darauf, das seine Kritiker ein anderes Menschenbild verwenden.

Im ersten Axiom legt Paul Watzlawick fest: „es ist unmöglich, nicht zu kommunizieren“. Das bedeutete letztlich auch, dass es unmöglich ist, gar kein Verhalten zu zeigen. Diese Eigenschaft haben wir Menschen während der Evolution erworben und sie kann deshalb nicht glaubwürdig bezweifelt werden.

Kritik am zweiten Axiom: Die Theorie wird anerkannt – aber in der Praxis ist es schwierig, zwischen „Inhalts- und Beziehungsaspekt“ zu trennen.

Watzlawick ging es bei seiner Theorie überwiegend darum, die Beziehung zwischen Menschen zu erläutern. Deshalb steht der Beziehungsaspekt oft im Vordergrund. In seinem Buch erläutert Watzlawick dies in einer Randnotiz. Die Frage ist allerdings bis heute, wo die Schwerpunkte der beiden Aspekte liegen und wie sie bewertet werden.

Andere Axiome und generelle Kritik

Die Kritik an den fünf Axiomen beruht vor allem darauf, dass sie nicht wirklich „klar und transparent“ dargelegt wurden oder dass Beweise für die Theorie fehlen. Insbesondere die fehlende Transparenz könnte dazu geführt haben, dass Watzlawick in vielen Fällen falsch verstanden wurde. Kritik kommt auch aus den Kreisen der Kommunikationstrainer, die beklagen, dass es Probleme mit der Umsetzung der Axiome bei praktischen Anwendungen gibt.

Das Fazit

Watzlawicks Theorien, wie sie in dessen Buch „Menschliche Kommunikation“ beschrieben wurden, sind bis heute gültig als „Standard“ für das Verständnis menschlicher Kommunikation. Sein Buch war der erste und erfolgreichste Versuch, „unsere“ Kommunikation mit einer zuverlässigen Theorie zu untermauern. Einige Formulierungen würde man heute, über 50 Jahre nach dem Erscheinen des Buches, sicher anders wählen.

Schülern und Studenten kann Watzlawicks Buch vorbehaltlos empfohlen werden.

Das Buch: Watzlawick, Beavin und Jackson: „Menschliche Kommunikation“ - Formen, Störungen und Paradoxien. New York 1967, Deutsch 1969, Bern.

Kommunikation – Methoden, die nicht auf Psychologie beruhen

Es ist … an der Zeit … physikalische Vorgänge auf die Wirkung naturwissenschaftlich beschreibbarer Strukturen zurückzuführen.

Zitat zum Wert der Naturwissenschaft von Karl Steinbuch, Kybernetiker, 1965

Es ist sehr viel leichter, sich etwas zu vergegenwärtigen, was man selber erfährt, als etwas, das man überhaupt nicht erfährt.

Zitat von Ronald D. Laing, Psychiater, 1982

Kommunikation – Methoden, die nicht oder nur teilweise auf Psychologie beruhen

Die Psychologie behauptet, sie vermittle das „Basiswissen über Wahrnehmung, Denken, Fühlen, Motive und Persönlichkeitsaspekte“. Das ist nicht falsch, verkennt aber, dass sie überwiegend Theorien darüber entwickelt hat. Das bedeutet mit anderen Worten: Zuerst waren die Vorgänge und Ereignisse da, dann wurden sie beschrieben und schematisiert. Das gilt als ebenso löblich wie notwendig, entfernt die Realität aber immer mehr von der Theorie.

Die Praxis, die Theorie und ein Mythos

Die psychologischen Theorien über Kommunikation sind zum größten Teil für die tägliche Praxis ungeeignet, weil sie mit der „erlebten Wirklichkeit“ der Menschen nicht übereinstimmen. Teilweise sind sie auch deshalb fragwürdig, weil sie nicht beim gesprochenen Wort ansetzen, sondern beim sogenannten „nonverbalen“ Teil. Die Gründe dafür liegen vermutlich in der Annahme, dass ein großer Teil der Informationen „unbewusst“ über Gestik und Mimik übermittelt wird. Dies gilt allerdings vollumfänglich nur für Kommunikation unter Anwesenden, und nur begrenzt beim Telefonieren oder bei Gesprächen mit Bildübermittlung. Über analoge Kommunikation wurde ein Mythos verbreitet, der noch immer durch Wissenschaftsartikel geistert (1).

Kommunikation funktioniert auch ohne psychologische Theorien

Wenn Kommunikation kein „Fachgebiet“ der Psychologie war, oder ist, worauf berufen sich die Schöpfer von Kommunikationsseminaren dann? Die meisten verwenden viel Erfahrungswissen aus der „Redekunst“ (Rhetorik) und der „Kunst, Dialoge zu führen“ (Didaktik), die nicht auf dem Nährboden der Psychologie entstanden sind. Einige berufen sich auf die Kybernetik und Nachrichtentechnik. Außerdem führt nahezu jeder Kommunikationstrainer einen kleinen „Werkzeugkasten“ mit. In ihm befinden sich in der Praxis bewährte Methoden aus sehr unterschiedlichen Quellen der Lebenserfahrung und der Wissenschaft. Auf diese Weise enthalten Kommunikationsseminare immer auch psychologische Erkenntnisse, ohne diese ausdrücklich zu benennen. Zwei Beispiele wären „Metakommunikation“ (Paul Watzlawick) und „aktives Zuhören“, das auf Carl Rogers zurückgeht.
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Probleme, künstliche Intelligenz und Kommunikation - der Zeitreise vierter Teil mit Blick auf die Zukuft

In diesem Abschnitt beschäftigen wir uns mit der gegenwärtigen (2020 - 2026) und zukünftigen Entwicklungen der Kommunikation selbst und den Seminaren,in denen sie behandelt wird. Dabei geht die Tendenz bei den Trainings einerseits in Richtung "Persönlichkeitsentwicklung" (persönlicher und beruflicher Erfolg). Anderseits werden heute vermehrt Seminare angeboten, bei denen Emotionen die größere Rolle spielen (Förderung von Empathie).

Kommunikation als universelle „Problemlösung“?

In manchen Publikationen wird „Kommunikation“ heute als Universalmittel zur Lösung von Problemen aller Art empfohlen. Zu Bedenken ist jedoch, dass die „Lösung“ von Problemen in der Auflösung der Knoten liegt, was oft eine Verhaltensänderung bedingt. Es handelt sich also um eine relativ komplexe Aufgabe, in der Kommunikation nur als Werkzeug, nicht aber als Lösungsweg gilt.

Eine schnelle Lösung kann gefunden werden, wenn der Lösungsweg blockiert ist, aber durch einige Fragen geöffnet werden kann.
Hat das Problem viele Ebenen und wurden schon allerlei erfolglose Maßnahmen zur Lösung versucht, dann kann die Lösung nicht durch gängige Kommunikationsmethoden gelöste werden. Professionelle Problemlöser nutzen in diesem Fall die Möglichkeit, das Problem zunächst genauer zu definieren, etwa durch einen IST-SOLL-Vergleich.

Die neueste Entwicklung – Gefühle durch Kommunikation mit Algorithmen (seit 2020)

Manipulation drurch einen Roboter - 2026 bereits Realität

Die neue Herausforderung für Menschen, die sich mit Kommunikation beschäftigen, ist die KI (künstliche Intelligenz, englisch AI – Artifical intelligence“. Die Kommunikation zwischen einem echten Menschen und einer Maschine, die einen Menschen imitiert, wirft völlig neue Fragen auf. Sie beginnen bei der klassischen Definition von „Verstehen und verstanden werden“ und sind längst bei der „Empathie“ der „Chatbots“ (Kommunikationsroboter) angekommen. Nach neuesten, weitgehend bestätigten Forschungen können Chatbots mehr Empathie erzeugen als Menschen. Das liegt natürlich nicht an den Maschinen, sondern an einem Trick der Programmierer: Solange das Programm die Gefühle, Meinungen oder andere Äußerungen bestätigt, empfindet der Mensch lustvolle Genugtuung. Echte Menschen hingegen bringen ihre eigenen Gefühle ein, die niemals völlig identisch mit den Gefühlen eines anderen Menschen sind. Seither gilt: Maschinen können menschliche Gefühle mit einfachen Mitteln manipulieren.

Diese Methode gilt mittlerweile als gefährlich, weil sie zur Manipulation der Gefühle, eventuell sogar zur Gehirnwäsche eingesetzt werden kann.

Und über den Tag hinaus - was wird aus der menschlichen Kommunikation?

Die Zukunft ist immer eine Herausforderung. Mit den „sozialen Medien“ und dem Einsatz künstlicher Intelligenz besteht die Möglichkeit, Menschen auch ohne „aktiven Dialog“ zu beeinflussen - negativ wie positiv. Fachleute warnen schon heute (2026) vor einer möglichen „Gehirnwäsche durch KI“. (1) Bewiesen ist, dass „Chatbots“ so programmiert werden können, dass nicht nur die Meinung des Kommunikationspartners manipuliert werden kann, sondern auch seine Gefühle.

Aus der Sicht des konstruktivistischen Denkens bedeutet dies eine Art „künstliche Gleichschaltung“, die dazu führen könnte, dass die Realität absichtlich verfälscht wird. Manche Autoren und Autorinnen sind der Meinung, dass dies bereits geschieht.

(1) The Instability Of Truth", New York 2025

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Kommunikation

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Erfahrungswissen, Alltag, Empathie und Kommunikation im 20. Jahrhundert - der Zeitreise dritter Teil

Moderne Kommunikationstrainings haben ihren Ursprung in der Kybernetik, Nachrichtentechnik und der klassischen Dialektik. In Deutschland begann das Interesse an ihnen in den 1970-er Jahren. Die Seminare jener Zeit wurden vor allem für die freie Wirtschaft entwickelt - deswegen erschienen ihre Grundlagen überwiegend in Wirtschaftsverlagen.

Kommunikationskurse aus dem Erfahrungswissen für die Praxis - 1976 - 1991

Wer versucht, die Theorien von Paul Watzlawick in die Praxis umzusetzen, musste dem Theoriegebäude zwangsläufig Strukturen hinzufügen, wie beispielsweise Gestaltung und Aufbau eines Dialogs. Dazu ist es beinahe unerlässlich, sich wieder bei der Dialektik, der allgemeinen Psychologie oder auch der Nachrichtentechnik zu bedienen. Aus diesem Grund sind recht unterschiedliche Modelle entstanden, die auf dem Prinzip von zwei unterschiedlichen Übertragungskanälen (analog und digital) oder zwei Aspekten (Inhalt und Beziehung) beruhten. Wenn man die Theorien ausblendet, bleiben für die Praxis einige nachvollziehbare Verfahren:

1. Klare Sprache
2. einfache Strukturen
3. Sender-Empfänger-Prinzip
4. Rückkoppelung
5. Frage- und Antworttechnik
6. aktives Zuhören
7. Metakommunikation.


Die Möglichkeit des aktiven Zuhörens stammt aus einer abgewandelten Methode der Gesprächstherapie, die Technik der Gesprächsführung selbst auf der Idee eines strukturierten Dialogs. Viele Kommunikationstrainer haben noch eine Art „Werkzeugkiste“ oder einen „Notfallkoffer“ im Gepäck, in dem sie bewährte Methoden gesammelt haben, um „verfahrene“ Gespräche zu retten, zum Beispiel durch Metakommunikation. Die meisten der Methoden, die auf Erfahrungswissen beruhen, wurden in Wirtschaftsverlagen veröffentlicht. Das mag der Grund sein, warum sie von der offiziellen Psychologie kaum beachtet wurden.

Das Thema der nicht-psychologischen Kommunikationstechniken wird an anderer Stelle dieser Artikelserie ausführlich dargestellt. Dabei werden auch die Kritikpunkte behandelt.

Kommunikation als Mittel der Persönlichkeitsentwicklung ab 1989

Seit einigen Jahren ist wieder die Rede von einer „Psychologie der Kommunikation“, die sowohl theoretisch wie auch praktisch in Richtung der „Persönlichkeitsentwicklung“ geht. Dieser Trend stellt an die Schöpfer und Trainer von Kommunikationsseminaren vor völlig neue Anforderungen. Diese Entwicklung wird auch in den drei Werken von Friedemann Schulz von Thun deutlich. („Miteinander Reden“ Band 2 - 3.) der Grund liegt vermutlich darin, dass mit Erfolgstrainings und Kommunikationstrainings oft die gleiche Zielgruppe angesprochen wird. Das gilt auch für die Kombination von Kommunikationskursen mit Seminaren für Konfliktlösungen.

Kommunikation zur Steigerung der Empathie - ca. 1984

Eine relativ neue psychologische Richtung in der Kommunikation, die sowohl der Theorie wie auch für die Praxis Bedeutung gewonnen hat, wird auf den Psychologen Marshall B. Rosenberg zurückgeführt. Er entwickelte eine Methode, die er „Gewaltfreie Kommunikation“ nannte. Der Schwerpunkt liegt dabei auf „Empathie“ (Mitgefühl oder emotionale Intelligenz). Die Methode wurde in Deutschland schnell populär. Heute wird sie unter dem Kürzel „GFK“ (gewaltfreie Kommunikation) angeboten. Hauptzielgruppe sind Mitarbeiter in Gesundheits- und Sozialdiensten.

Diese Methode ist an ein bestimmtes Menschenbild gebunden und wird in der Diskussion gerne mit dem „Empathie-Begriff“ genannt. An diesem Punkt setzt auch die Kritik an. Mehr dazu unter … (folgt)

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