Die ICH-Botschaften - ein Werkzeug der Kommunikation

Die ICH-Botschaften
Wenn Sozialpädagogen über Kommunikation reden, dann wird oft gefordert, dass wir ICH-Aussagen benutzen, um unsere Kommunikation zu verbessern.
Typische Redewendungen wären „Ich fühle mich (unverstanden, abgewertet, behindert), wenn du (mich in diese Situation versetzt) und ich bitte dich…“
Wie die Meinung über ICH-Aussagen in die Welt kam
Als Begründer dieser Theorie gilt der amerikanische Psychologe Thomas Gordon (1). Wenig bekannt ist, dass er sich hauptsächlich mit dem Eltern-Kind-Verhältnis beschäftigte. Die Theorie selbst wird allerdings von zahllosen Kommunikationstrainern verwendet. Es lohnt sich also, einen Blick darauf zu werfen.
ICH-Aussagen kontra DU-Botschaften?
Die ICH-Aussagen werden oftmals den DU-Botschaften gegenübergestellt, wobei empfohlen wird, die ICH-Aussage zu bevorzugen. Befürchtet wird vor allem, dass DU-Aussagen von der anderen Person als Angriff gewertet werden könnten.
Doch eine Frage bliebt dabei offen: Geht es in der Kommunikation tatsächlich so oft um Konflikte, die wir zu vermeiden hoffen? Oder einer anderen Sichtweise: Sind die Selbstoffenbarungen wirklich ein so wichtiger Bestandteil der Kommunikation, dass wir sie dauernd unter Beobachtung halten müssen?
Mir erscheint sinnvoll, Klarheit vor Befindlichkeit zu stellen. Um eine Ordnung zu erzeugen, lege ich im Kopf drei „Ordner“ an:
1. Mein Eigen. Inhalt: Was ich denke.
2. Dein Eigen. Inhalt: Was du denkst, geordnet in „was ich vermute“ und was ich weiß.
3. Unser Eigen. Inhalt: Was uns beide verbindet, soweit wir es feststellen konnten.
So eine Bestandsaufnahme (IST-Zustand) löst selbstverständlich keine Konflikte, macht aber sowohl Fortschritte wie auch Rückschritte sichtbar. Selbstverständlich liegt darin auch ein Konfliktstoff, aber es ist unwahrscheinlich, dass Kommunikation immer zu Lösungen führt.
Was bedeutet es wirklich, ICH-Aussagen zu verwenden?
Wenn jemand einen Satz mit „Ich“ beginnt, dann will er oder sie Aufmerksamkeit für sich selbst erzeugen. Das ist der Grund, aus dem jemand „per ICH spricht“.
Ich zitiere die Struktur einer machtvollen Rede, die der Evangelist Matthäus (NT,2) aufgeschrieben hat: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist … ich aber sage euch.“
In ganz anderem Sinne behauptet „Humpty Dumpty“ gegenüber Alice (2): „Wenn ich etwas sage, meine ich genau dies damit – nicht mehr und nicht weniger“.
Das ICH spricht immer mit …
Normalerweise spricht aus uns immer das „Ich“ – was sonst könnte aus uns sprechen? Es geht zumeist um „meine Ziele, meine Sichtweisen, meine Gedanken, meine Gefühle“ in Kombination mit etwas anderem.
Auch wenn du altruistisch denkst, so weißt du doch, dass du eigene Ziele verfolgst, indem du anderen zum Glück verhilfst. Es ist also niemals falsch, dein Glück mit dem Glück anderer zu verbinden und zu sagen, was dein Anteil daran ist.
Was kann also falsch sein, aus dem ICH heraus zu sprechen?
Das starke ICH, das Redeporzellan zerschlägt
Der Schlüssel liegt darin, wie viel Macht du ausüben willst, indem du dein ICH in den Vordergrund stellst. Wenn andere glauben, dass du durch deine mächtige Stimme andere Meinungen ersticken willst, dann werden sie dich hassen oder angreifen. Wenn sie aber deine Macht anerkennen, so sind sie möglicherweise sogar froh, dass endlich jemand „zur Sache“ kommt. Der Einsatz von „ICH“ ist also ein Werkzeug, mit dem du erstaunlich gute Erfolge erzielen kannst, das aber auch das Gegenteil bewirken kann.
Das ICH, das auf leisen Sohlen schleicht
Auch ein ICH auf leisen Sohlen kann die Machtkarte spielen. Dann die Tatsache, dass du gelernt hast, deinen Mitmenschen keine DU-Botschaften mehr zu senden bedeutet ja kein Ende des Konflikts. Er wird nur verschoben, indem du nunmehr mitteilst, du würdest unter dem Verhalten der anderen Person leiden und sie nun bitten, etwas zu verändern.
Das Fazit – ein starkes Werkzeug – aber kein Heiligtum
Nachdem dies alles gesagt ist, dürfte klar sein: „ICH-Aussagen“ sind keine Heiligtümer, sondern ein Gestaltungsmittel der Kommunikation. Wenn ihr es in dieser Weise klug nutzt, kann es euch im Alltag helfen.
(1) "Parent Effectiveness Training"
(2) NT, Matthäus 5:44-45.
(3) Carroll: "Alice hinter den Spiegeln" verkürzt.
Dies ist eine kritische Betrachtung, die unabhängig von gängigen Lehren veröffentlicht wurde. Der Autor ist sich bewusst, dass er hier eine völlig andere Meinung vertritt als der "gängige Mainstream" der Branche.
Alternative Meinung in Impulse.

Dieser Artikel wurde in verständlichem Deutsch für Lehrende und Lernende geschrieben. Der Autor ist der Meinung, dass er für Unterrichtszwecke geeignet ist.

