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 Echte Gefühle und wie sie beschrieben werden können.

Kommunikation - die Bedeutung der Fragen für den Gesprächsverlauf

Die weitaus meisten Gespräche beginnen mit einer offenen Frage. Wenn uns die Antworten darauf interessant oder wir Gefallen an ihnen finden, so entsteht ein Zwiegespräch. Währen der Antworten hören wir genau zu, um sie zu verstehen. Das Zuhören kann auch zum Lenken des Dialogs benutzt werden. Das weitere Gespräch folgt den gleichen Regeln. Wer zuerst fragt, ist meist der Gesprächsführer. Die Rolle kann aber auch während des Gesprächs gewechselt werden.

Fragen als Königsdisziplin der Kommunikation - auch für Königinnen

Beschäftigen wir uns zunächst mit den Fragen – es ist sozusagen die „Königsdisziplin“ (oder „Königinnendisziplin“) der Kommunikation.

Die Fragen – vier Fragetypen als Grundlage

Vier Fragetypen beherrschen die Kommunikation:

- Offene Fragen (Beginnen mit einem Fragewort).
- geschlossene Fragen. (Erzeugen meist kurze Antworten)
- Alternativfragen (Entscheidungsfragen)
- Unterstellungsfragen (rhetorische Fragen).


Nur die ersten drei Fragetypen kommen für die offene, freie Gesprächsführung in Betracht – rhetorische Fragen hemmen oder vernichten die Entstehung eines Dialogs.

Offene Fragen - die mit "W"


Offene Fragen - entschlüsselt

Wir stellen offene Fragen, damit unser Gesprächspartner oder unsere Gesprächspartnerin möglichst viel Spielraum für eine Antwort bleibt. In den meisten Fällen erfahren wir mehr, als wir gefragt haben. Dadurch ergibt sich für uns nicht nur die Möglichkeit, viel zu erfahren, sondern auch, bei mehreren Aspekten der folgenden Antwort „einzuhaken“.

Offene Fragen beginnen zumeist mit einem Fragewort, das mit „W“ beginnt:

Was?
Wie? (oft, lange)
Wer?
Welche? (welcher, welches)
Wo?
Wann?

Hinweis: Es gibt mehrere Abwandlungen der Fragewörter, beispielsweise „womit“ oder „wodurch“.


Sonderfall „Warum“ 🔥

Selbstverständlich ist die Frage nach dem „Warum“ absolut in Ordnung, wenn man nach der Ursache von etwas fragt. Dabei unterstellst du jedoch, dass der Befragte die Ursache kennt oder daran interessiert ist, sie zu erfahren. Im Bereich der Emotionen oder der Intimität empfehle ich, diese Fragen mit Augenmaß zu stellen. Mehr darüber hier unter dem Stichwort: „WARUM?“

Die Fragewörter im Einzelnen

WAS?

Die Frage nach dem „WAS“ ist die beste Möglichkeit, eine offene, weit gefächerte Antwort zu bekommen. Am Beispiel:
„Was machst du in deiner Freizeit?“ Dieser Satz bietet dem/der Befragten eine Fülle von Möglichkeiten, seine Interessen oder Liebhabereien darzustellen.

WIE?

Nach der Frage „WAS“ folgt oft die Frage „Wie“. Damit wollen die Fragenden eine Vorstellung davon gewinnen, wie sich deine Interessen, Emotionen und viele andere Dinge, Menschen oder Umstände auf dein Leben auswirken. Ein Beispiel wäre „Wie äußert sich das?“ Ein anderes „wie geht es dir dabei?“ Diese Frage geht in die Tiefe. Das ist auch der Grund, warum Dialog das „WIE“ oft auf „WAS“ folgt.

🔥 Falle: das „WIE“ als Eröffnung

„Wie stellst du dir deinen zukünftigen Partner vor?“ Diesen Satz hört man oft bei sogenannten „Dates“. Er führt selten zu wirklich befriedigenden Antworten, weil der in Aussicht genommene Partner anwesend ist. Derjenige, an den die Frage gerichtet ist, hat im Grunde nur die Wahl, eine sehr allgemeine Antwort zu geben oder seine Aussage an den Eindruck anzupassen, den er/sie vom Gegenüber hat. Beide Fälle führen zu einer „angepassten“ Kommunikation – sie führen also nicht zum besseren Verständnis. In solchen Fällen besser mit „WAS“ beginnen: „Was möchtest du mit einem neuen Partner gerne unternehmen?

WELCHE, WELCHES, WELCHEN

Diese Fragen richten sich häufig auf Ziel und Zweck. Solange es sich um die Vergangenheit oder Gegenwart handelt, dienen sie dazu, präziser zu nachzufragen. Für die Zukunft sind solche Fragen entscheidend, wenn eine der Personen ein konkretes Ziel hat und es mit der anderen Person erreichen möchte.

WO, WANN

Fragen mit „WO“ oder „WANN“ werden gestellt, wenn diese beiden Fragen zum Verständnis einer Begebenheit in der Vergangenheit oder der Gegenwart nötig sind – oder wenn von der Zukunft die Rede sein soll.

WARUM?

Nach dem „Warum“ zu fragen ist sinnvoll, wenn du etwas über einen Hintergrund (eine Ursache) erfahren möchtest. Allerdings muss die andere Person dann auch ein Bedürfnis verspüren, darauf wahrheitsgemäß zu antworten.

Fragen nach dem „Warum“ greifen oft tief in das Geflecht der mehrdeutigen Gefühle ein und werden deshalb ausweichend beantwortet. Weil Fragen nach dem „Warum“ zudem oft Kritik beinhalten, fragst du besser mit „WIE“, also nicht „Warum hast du nie Erfolg bei …“ sondern „Wie war es, als du zuletzt versucht hast… ?“ Sinnvoll kann auch sein, die Frage statt mit „WARUM“, mit „WELCHE“ zu beginnen. Also etwa: Welche Gründe hattest du, als …“. Diese Frage deutete darauf hin, dass du wirklich Interesse an der Person hast.

In jedem Fall ist empfehlenswert, die Frage „wie ist es eigentlich“ immer vor der Frage „warum ist es so?“ zu stellen.

Beispiele zu "WARUM"

Versuch mit „WARUM“ und Abweisungen

„Warum warst du noch nie verheiratet?“
„Es ergab sich nie für mich.“
(Damit wurde die Frage abgewiesen).


„Warum hast du so lange bei deinen Eltern gewohnt?“
„Damals habe ich über so etwas nicht nachgedacht.“
(Eine höfliche Form von „es geht dich nichts an“)


Ersatz des Frageworts „WARUM“ durch „WIE“ (kam es dazu… )

Gescheiterter Dialog mit „WARUM?“

„Warum schreibst du Bücher?“
„Weil ich denke, dass ich es tun muss.“
„Das ist Unsinn – niemand muss Bücher schreiben.“

(Hier endet der Dialog mit „WARUM“ .)

Sinnvoller Dialog mit "WIE"

Wie kam es dazu, dass du Bücher schreibst?
Ich las einmal ein Buch, dessen Inhalt ich für Unsinn hielt – da machte ich mich daran, selbst eins zu schreiben.
„Womit beschäftigte sich das Buch, das den Ausschlag gab?“

(Hier geht der Dialog vermutlich weiter… .)

Bei Fragen, die mit „Warum“ beginnen, ist also Vorsicht geboten. Sie eignet sich im Grunde nur für rationale Themen.

Das kannst du dir merken und mitnehmen:

Fragen nach dem „Warum“ greifen oft tief in das Geflecht der mehrdeutigen Gefühle ein und werden deshalb ausweichend beantwortet. Weil Fragen nach dem „Warum“ oft eine Kritik beinhalten, fragen wir besser mit „WIE“. Also nicht „Warum Tatest du nie Erfolg bei …“ sondern „Wie war es, als du zuletzt versucht hast …?“


Geschlossene Fragen - Ja oder Nein


Geschlossene Fragen

Geschlossene Fragen können mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden. Im Grunde sind sie dafür gedacht, etwas einzugrenzen oder eindeutig zu entscheiden. Du hast die Entscheidung, ob du eine geschlossene Fragen wirklich nur mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten willst oder eine kreative Antwort bevorzugst.

Beispiele:

Geschlossen: Haben Sie Äpfel?
Offen: Welche Obstsorten haben Sie?

Geschlossen: Stimmen Sie mehr zu?
Offen. Wie entscheiden Sie sich?“

Geschlossen: Gehen wir noch zu dir?
Offen: Wo wollen wir den Rest des Abends verbringen?

Entscheidungsfragen - so oder so?


Alternativ-Fragen oder Entscheidungsfragen

Sogenannte Alternativ- oder Entscheidungsfragen lassen der antwortenden Person nur eine (scheinbare) Alternative. Sie werden gestellt, um deutlich zu machen, dass es keinen anderen Weg mehr gibt, als sich jetzt und hier für eine der beiden Möglichkeiten zu entscheiden. Das ist meist ein 🔥 Trick, um weitere Möglichkeiten auszuschließen.

Willst du Äpfel oder Birnen?
Kommen Sie heute oder morgen?
Wollen Sie herabgestuft oder entlassen werden?
Willst du eine schöne, untreue Frau oder eine, die hässlich, aber treu ist?

Als Fragen getarnte Meinungen


🔥 Die unterstellende Frage

Unterstellende Fragen sind Meinung oder Behauptungen in Frageform – und deshalb im Grunde überhaupt keine Fragen. In ihnen kommen oft Teilsätze vor, wie die etwas so aufgebaut sind „Meinen sie nicht auch, dass …“Wollen Sie nicht auch, dass es mehr glückliche Familien geben sollte?“

Wie weiter?

Der Gesprächsverlauf besteht aus Fragen, Antworten, Zuhören und noch einigen ergänzenden Komponenten.
Wir machen weiter mit Antworten. (in Vorbereitung)

Kommunikation - einen Gesprächsfluss herstellen und erhalten – wie geht das?

Unser Gegenüber bei der Kommunikation ist meistens ein Mensch. Er ähnelt uns in gewisser Weise - und doch ist diese Person zunächst ein fremdes Wesen, das eine eigene Lebensgeschichte hat. Dieses Wesen hat voraussichtlich Gedanken, Gefühl und Erfahrungen, die von unseren abweichen.

Erst mithilfe der Kommunikation können wir Gemeinsamkeiten und Unterschiede feststellen. Fragen, Antworten und Zuhörtechniken sind die wesentlichen Schlüssel dazu, die wir als "technische Werkzeuge" dazu beisteuern können. (1)

Gespräche einleiten, fortführen und etwas damit erreichen

Manchmal scheint es so, als ob es Naturtalente gibt, die aus jeder Situation heraus ein sinnvolles oder bereicherndes Gespräch beginnen können. Das ist eine hübsche Vorstellung, aber im Grunde haben solche Menschen an Beispielen oder „Versuch und Irrtum“ erlernt, wie sie Gespräche einleiten, fortführen und ihre Ziele damit erreichen können. (2)

Und du? Auch du kannst es lernen. Deswegen gibt es in Kommunikationsseminaren „Werkzeugkisten“ (Toolboxes), in denen du entsprechende Werkzeuge findest.

In den folgenden Artikeln haben wir sie aufgeschlüsselt in Fragen, Antworten, Zuhören und die Klärungen der Gesprächssituation. Sie stammen aus den Archiven eines Kommunikationstrainers, wurden aber 2026 an neue Erkenntnisse und Realitäten angepasst.

Wir beginnen mit den Fragen, die wir als „Königinnendisziplin“ oder „Königsdisziplin“ der Kommunikationstechniken bezeichnen.

Anmerkungen und Übersicht:

Anmerkungen:

(1) Die Werkzeuge sind so beschrieben, dass sie für unterschiedliche Gesprächssituationen benutzt werden können.
(2) Ein Ziel kann auch sein, einem anderen Menschen sinnvoll zu helfen.

Die (voraussichtliche) Aufteilung:

1. Fragen als Basis für den Gesprächsverlauf.
2. Gesprächsfluss - Antworten und Rückkoppelung.
3. Zuhören und Gesprächsende.
4. Metakommunikation und andere Notfallmaßnahmen.

Der Werkzeugkasten der Kommunikationstrainer – eine Fundgrube

Die meisten Kommunikationstrainer nutzen „Werkzeugkästen“ (Toolboxen) und lehren, wie man sie in der Praxis benutzen kann. In diesen Werkzeugkästen können durchaus unterschiedliche „Werkzeuge“ enthalten sein. Wie beim Handwerker auch, werden Werkzeuge immer dann benutzt, wenn die natürlichen Kräfte und Fähigkeiten unterstützt werden sollen.

In diesen Werkzeugkästen befinden sich Pläne, Verfahren und Techniken sowie oftmals eine Art „Notfallkonzept“. Sie beruhen teilweise auf Konzepten der Kybernetik, aber auch auf Erfahrungswissen, psychologischen Theorien und anderen Überlegungen.

Grundlegende Techniken der Kommunikation im Werkzeugkasten

Techniken spielen in den Werkzeugkästen die größte Rolle. Besonders wichtig sind Frage- Antwort- und Zuhörtechniken, weil sie direkt auf den Gesprächsfluss wirken. Auch der Gebrauch von Feedback gehört dazu.

Weitere Techniken

Trennung von Energie und Steuerung


Das „aktive Zuhören“ ist nicht Ausdruck einer Geisteshaltung, sondern ein Werkzeug, das erlernbar ist. Eine Variante dieser Technik ist, nicht die Energie eines Gesprächs zu vermehren, sondern einen Teil der Energie zur Steuerung zu verwenden. Dadurch erreicht man, dass der Initiator oder Gesprächsführer entlastet wird. Wer diese Methode verwendet, wirkt als „Steuermann“ – das Schiff „Kommunikation“ findet seinen Weg durch eigene Energie.

Aufteilung der Argumente

Wo immer etwas erklärt werden soll, empfiehlt sich, der Gesprächsführung eine Struktur zu geben. Ein bewährtes Prinzip ist die Dreiteilung eines Arguments:

Was ist es?
Wie wirkt es sich aus?
Was könnte das für (dich, die Sache) bedeuten.


Benutzen von Bildern

Manche Mitteilungen lassen sich nicht in Worte fassen, aber durchaus in Bildern. Diese Methode kennen fast alle Menschen aus dem Spruch: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Es ist aber auch möglich, die Schriftsteller-Regel „Zeig es, erzähl es nicht“ mit Worten umzusetzen. (Im Dialog beispielsweise in Sätzen wie „Stell dir vor, du wärst…“).

Anpassung an die Sprache des Gegenübers

Diese Methode wir sehr oft verwendet, wenn du einem Menschen mit einfacher Denkweise einen an sich komplizierten Vorgang erklären willst. Sie kann auch funktionieren, wenn du dich im Gespräch mit einem gebildeten Menschen auf deine eigene Bildung besinnst und Alltagssprache vermeidest. Diese Methode kann vorteilhaft angewendet werden, birgt aber auch Risiken. (Als Methode wurde dieser Teil der Toolbox als "Anpassungstheorie" (CAT) bekannt).

Über Gefühle sprechen - oder dies zu verweigern

Einer der heikelsten Bereiche der aktiven Kommunikation besteht darin, wie (und ob) du Gespräche über Gefühle zulassen oder abwehren willst. Normalerweise wissen Kommunikationslehrer dies und lehren beide Wege, nämlich einerseits Gefühle zu offenbaren oder in den Vordergrund zu stellen, auf der anderen Seite aber auch, unerwünschte Gespräche darüber zu vermeiden. Es geht im Grunde darum, wie viel „Offenheit“ nötig oder erwünscht ist, um die Botschaften miteinander auszutauschen.

Die Balance der Macht wahren

Gespräch sind nicht immer „symmetrisch“ und sie finden nicht immer auf Augenhöhe statt. Viele Kommunikationstrainer nutzen dazu das Bild der „Wippe“: Solange die „Wippbewegung“ spürbar ist, wird die Kommunikation als „interessant und ausgewogen“ betrachtet. Steht sie in der Mitte still, so flachen Gespräche ab. Sobald einer von beiden aber den Boden berührt und der andere „abhebt“, werden Gespräche als „unausgewogen“ wahrgenommen. Das „Gefühl der Unausgewogenheit“ kann auch dadurch entstehen, dass ein Partner wirklich oder „gefühlt“ zu lange redet.

„Kanäle“ trennen

Kommunikation kann über einen Kanal, zwei Kanäle oder auch vier Kanäle erfolgen, ja nachdem, welche Methode im Training verwendet wird. In manchen Kommunikationstrainings wird viel Wert daraufgelegt, die beiden Komponenten „Informations- und Beziehungsaspekt“ zu beobachten. In anderen werden drei oder vier Aspekte dazu angeboten, mit denen die Kommunikation analysiert werden kann.

Metakommunikation nutzen

Metakommunikation ist ein mächtiges Werkzeug, mit dem versucht wird, „Knoten“ in der Kommunikation aufzulösen. Meist glaubt einer der Partner beobachtet zu haben, dass sich das Gespräch in einer Sackgasse befindet und schlägt vor, die Gesprächssituation „aufzudröseln“ und die „Knoten“ herauszunehmen. Der Erfolg von solchen Maßnahmen ist davon abhängig, ob der Partner diesen Wechsel der Gesprächsebene zulässt oder in diesem Ansinnen einen Machtkampf vermutet.

Eine besondere Form der Metakommunikation ist der Vorschlag, einfach die Gesprächsebene zu verlassen und auf eine andere überzugehen. Zum Beispiel: „Das klingt als Vorschlag sehr interessant – doch welche Auswirkungen wird dies auf (…) haben?“ Auf diese Weise vermeidest du einen Bruch in der Kommunikation.

Innerlich die Position wechseln

Wenn das Gespräch aus irgendwelchen Gründen nicht so „läuft“, wie du es dir vorstellst, gibt es ein einfaches Mittel, deine Position zu überprüfen. Du stellst dir einen Moment vor, dass du euer Gespräch nur beobachtest, also nicht Teil der Kommunikation bist. Manche Seminarteilnehmer haben es erfolgreich erprobt und berichten, dass Ihnen dieser „innerliche“ Perspektivwechsel geholfen hat.

Das Fazit zur Toolbox und der Ausblick

Wahrscheinlich gibt es in „privaten“ Werkzeugkisten noch viele Werkzeuge, bildlich gesprochen „von der Säge bis zum Schleifpapier“, um die eigene Kommunikation sinnvoll zu verbessern.

Allerdings können alle Werkzeuge, grobe wie feine, zum Nutzen wie auch zum Schaden anderer eingesetzt werden. Es kommt nicht darauf an, ob man dem Werkzeug etwas „Böses“ oder „Gutes“ zuweist, denn wie es angewendet wird, entscheidet der Benutzer.

Aufgabe der Zukunft: Manipulationen erkennen

Auch dieser letzte Satz gilt heute nur noch unter Anwesenden. Die KI ist heute (2026) in der Lage, unter dem Deckmantel harmloser Dialoge massive Beeinflussungen zu ermöglichen. Wir, also die Empfänger solcher Nachrichten, sollten zeitig lernen, solche Versuche zu erkennen und abzuwehren.

(Die wichtigsten Themen werden noch weiter ausgeführt - das ist noch in Vorbereitung.)

Hinweis: In diesem Artikel werden Teile von Seminarunterlagen des Autors von 1976 - 1991 verwendet und der heutigen Sichtweise angepasst. Weitere Informationen stammen aus den Überlegungen von Shannon, Berne, Barlund, Watzlawick und nicht zuletzt aus den Erfahrungen von Seminarteilnehmern)

Kommunikation – die Theorie von Paul Watzlawick entschlüsselt, erklärt und vereinfacht

Paul Watzlawick, ein österreichisch-amerikanischer Psychologe, hatte die Fähigkeit, komplizierte Sachverhalte äußerst verständlich zu beschreiben. In dem von ihm verfassten Standardwerk „Menschliche Kommunikation“ verbindet er die Erkenntnisse der Kybernetik und Nachrichtentechnik mit solchen aus der Sprachwissenschaft und Psychologie. „Kommunikation“ wird von ihm letztlich mit „Verhalten“ gleichgesetzt.

Das Werk stammt aus dem Jahr 1967 (Deutsch: 1969), wurde also vor etwa 60 Jahren geschrieben. Zum Zeitpunkt der Erstausgabe löste es eine Revolution in der Betrachtungsweise der Kommunikation aus.

Ich will versuchen, den theoretischen Hauptteil seines Werkes aus heutiger Sicht verständlich zu beschreiben, ohne den Ursprung zu verfälschen.

Für die „Eckpunkte“ oder „Anker“ benutzte er das Fremdwort „Axiome“. Im Grunde handelt es sich um Annahme, die sich weder beweisen noch bezweifeln lassen.

1

Axiom Nummer 1: Die Unmöglichkeit, nicht zu kommunizieren

Dies dürfte die bekannteste Aussage von Watzlawick sein – und sie ist zugleich die entscheidende Aussage überhaupt. Watzlawick wagt, auch das Verhalten ohne Worte und ohne erkennbare Gesten in die Kommunikation einzubeziehen, im Grunde also „das Verhalten“.

Watzlawick selbst sagt es in einfachen Worten:

„Worte oder Taten, Handeln oder Nicht-Handeln haben alle Mitteilungscharakter – sie beeinflussen andere.“

Anders ausgedrückt: Die Anwesenheit oder der Auftritt ist bereits der erste Schritt, mit dem wir kommunizieren. Dieses Verhalten teilen wir mit den meisten Säugetieren: Wir fragen uns, was ein anderes Exemplar der Gattung tun wird. Und wir gewinnen damit einen ersten Eindruck vom anderen wie auch das jeweils „andere“dadurch auch einen ersten Eindruck von uns gewinnt.

Stark vereinfacht: Wir kommunizieren auch, wenn wir nicht sprechen oder keine sichtbaren Zeichen anderer Art verwenden.

2

Axiom Nummer 2: Inhalts- und Beziehungsaspekte

Beim zweiten Axiom geht es darum, dass nicht nur Inhalte (Worte) vom Sender zum Empfänger transportiert werden, sondern vor allem darum, was diese Worte für den Empfänger bedeuten.

Das „zweite Axiom“ wird im Originaltext so beschriebe: “Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und Beziehungsaspekt, derart, dass Letzterer den ersten bestimmt und daher eine Metakommunikation ist“. Dieser Satz wurde aber von Watzlawick selbst mit einer Anmerkung versehen, die besagt, dass er dabei missverstanden werden könnte. Wer daran interessiert ist, sollte selbst nachlesen (Seite 64, Anmerkung 4). Ich empfehle Lernenden, die vereinfachten Versionen zu nutzen:

Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und Beziehungsaspekt.

Stark vereinfacht: „Die Worte, die ich gebrauche oder vermeide, wähle ich nach der Art von Beziehung, die ich zum Partner habe“.

3

Axiom Nummer drei: die Interpunktion

Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt.

Dieses dritte Axiom ist kaum in einen verständlicheren Text zu übertragen und wird deshalb zumeist in „Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung“ umgesetzt. Beides trifft nicht völlig den Kern, denn in Wahrheit ist die Folge von Ursache, Wirkung und Rückwirkung gemeint oder auch der Kreisprozess, in dem sich die Partner befinden. Watzlawick verweist bei der „Interpunktion“ oft auf Streitgespräche zwischen Ehepartner, die immer nach dem gleichen Schema ablaufen. Ein Beispiel aus dem Alltag eine Ehe wäre demnach Ronald D. Laings Gedicht „Do You Love Me“, veröffentlich in „Knots“.

Stark vereinfacht: Wenn ein Gespräch einem Muster folgt und dies ständig wiederholt wird, ergibt sich keine neue Sichtweise.

4

Axiom Nummer vier: analoge und digitale Kommunikation

Zitat: "Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten."

Für menschliche Kommunikation unter Anwesenden ist typisch, dass zwei Kanäle für die Kommunikation benutzt werden können: digital und analog. Laut Watzlawick ist die digitale Kommunikation genauer und vielseitiger, sie kann aber Gefühle nur unzureichend vermitteln. Die analoge Kommunikation hingegen ist nicht völlig eindeutig, kann aber Emotionen intensiver und gezielter übermitteln.

In jedem der beiden Kanäle können sich während eines Gesprächs Missverständnisse und Widersprüche bilden. Noch schwieriger wird es jedoch, wenn sich die analoge Kommunikation von der digitalen Kommunikation unterscheidet.

Stark vereinfacht: Das Gesicht kann eine andere Aussage zeigen als die Worte, die jemand benutzt.

Hinweis: Selbstverständlich kann man im Deutschen auch „Verbal“ und „Nonverbal“ benutzen, weil solche Ausdrücke hierzulande „üblich“ sind. Sie haben jedoch eine etwas unterschiedliche Bedeutung.

5

Axiom Nummer fünf: Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär.

Watzlawick sagt: „Beziehungen können auf Gleichheit oder Ungleichheit beruhen.“

Er erklärt dazu, dass Symmetrie vorherrscht, wenn beide Kommunikationspartner nach Gleichheit streben und versuchen, Ungleichheiten untereinander zu minimieren. Komplementäre Beziehungen hingegen zeichnen sich dadurch aus, dass beide Parteien sich ergänzen und unterschiedliche Rollen in der Beziehung übernehmen. Häufig bestimmt bei Letzterem eine gewisse Unterordnung den Interaktionsprozess.

Wichtig aus heutiger Sicht ist vor allem, dass es in der alltäglichen Praxis beide Arten von Beziehungen gibt, also auch beide Arten von Kommunikation. Auch darauf weist Watzlawick hin und er warnt davor, die beiden Kommunikationsformen als „gut" oder „schlecht“ einzustufen.

Stark vereinfacht: Die Rolle der Macht ist ein Element der Kommunikation, das immer vorhanden ist, sich aber unterschiedlich auswirkt.

Die Axiome von Paul Watzlawick aus heutiger Sicht

Das Fazit: Die Aufteilung in fünf „Axiome“ oder „Verankerungen“ wirkt aus heutiger Sicht (2026) etwas willkürlich. Allerdings dachte Watzlawick bei der Entschlüsselung der menschlichen Kommunikation eher an „Störungen“ als daran, ganz gewöhnliche Alltagssituationen unter den Gesprächspartnern zu meistern.

Kommunikationstrainings und Watzlawicks Theorien

Paul Watzlawick stellt uns in seinem Buch einen „pragmatischen Ansatz“ vor. Das ist ein Weg, der sich unmittelbar mit der Kommunikation und dem Verhalten der Menschen beschäftigt, statt sich auf die Theorie zu beziehen.

Für Kommunikationsseminare muss der Ansatz allerdings deutlich vereinfacht und mit geeigneten Methoden und den entsprechenden Werkzeugen ergänzt werden. Oder kurz: Wenn sich der Inhalt des Seminars auf Watzlawick beruft, ist zumeist nur von den theoretischen Grundlagen die Rede.

Kritik an Watzlawicks Theorie

Der größte Teil der Kritik an Watzlawicks Theorien beruht darauf, das seine Kritiker ein anderes Menschenbild verwenden.

Im ersten Axiom legt Paul Watzlawick fest: „es ist unmöglich, nicht zu kommunizieren“. Das bedeutete letztlich auch, dass es unmöglich ist, gar kein Verhalten zu zeigen. Diese Eigenschaft haben wir Menschen während der Evolution erworben und sie kann deshalb nicht glaubwürdig bezweifelt werden.

Kritik am zweiten Axiom: Die Theorie wird anerkannt – aber in der Praxis ist es schwierig, zwischen „Inhalts- und Beziehungsaspekt“ zu trennen.

Watzlawick ging es bei seiner Theorie überwiegend darum, die Beziehung zwischen Menschen zu erläutern. Deshalb steht der Beziehungsaspekt oft im Vordergrund. In seinem Buch erläutert Watzlawick dies in einer Randnotiz. Die Frage ist allerdings bis heute, wo die Schwerpunkte der beiden Aspekte liegen und wie sie bewertet werden.

Andere Axiome und generelle Kritik

Die Kritik an den fünf Axiomen beruht vor allem darauf, dass sie nicht wirklich „klar und transparent“ dargelegt wurden oder dass Beweise für die Theorie fehlen. Insbesondere die fehlende Transparenz könnte dazu geführt haben, dass Watzlawick in vielen Fällen falsch verstanden wurde. Kritik kommt auch aus den Kreisen der Kommunikationstrainer, die beklagen, dass es Probleme mit der Umsetzung der Axiome bei praktischen Anwendungen gibt.

Das Fazit

Watzlawicks Theorien, wie sie in dessen Buch „Menschliche Kommunikation“ beschrieben wurden, sind bis heute gültig als „Standard“ für das Verständnis menschlicher Kommunikation. Sein Buch war der erste und erfolgreichste Versuch, „unsere“ Kommunikation mit einer zuverlässigen Theorie zu untermauern. Einige Formulierungen würde man heute, über 50 Jahre nach dem Erscheinen des Buches, sicher anders wählen.

Schülern und Studenten kann Watzlawicks Buch vorbehaltlos empfohlen werden.

Das Buch: Watzlawick, Beavin und Jackson: „Menschliche Kommunikation“ - Formen, Störungen und Paradoxien. New York 1967, Deutsch 1969, Bern.