Perspektiven der Kommunikation - erkennen, zusammenfügen und ändern

Eine Perspektive ist eine Sichtweise. Du hast deine eigene Sichtweise – so wie jeder andere Mensch auch. Wenn zwei Menschen zusammenkommen, überprüfen sie oft, ob sie die gleiche Sichtweise haben. Meistens reicht es auch, eine „ähnliche“ Sichtweise zu entdecken.
Manche Sichtweisen sind durchschaubar, logisch und nachvollziehbar. Andere hängen von der „Tiefe“ ab, mit der jemand innerhalb eines Themas argumentiert. Einige Sichtweisen sind davon abhängig, ob jemand selbst vom Thema betroffen ist oder nicht.
Sichtweisen enthalten oft Bewertungen
Auf Perspektiven achten Menschen immer dann, wenn es um den Wert geht, den man einer Sache oder sogar einer Person beimisst. Bewertungen führen oft zur Abwertung, was wieder bedeutet, dass sich die bewertenden Dinge (Menschen, Umstände) entwertet werden.
Entwertungen erzeugen Konflikte
Besteht die Gefahr, dass jemand oder etwas entwertet wird, dann sind Konflikte nicht weit. Denn das Heiligtum eines Menschen mag für einen anderen Menschen nicht mehr Wert haben als eine Milchkanne. In meiner eigentlichen Heimat sagt man „Des Einen Eule ist des anderen Nachtigall“.
"Tierische" Perspektiven
Wenn wir gerade bei Vögeln sind: Die „Vogelperspektive“ sorgt für Überblick, aber auch für wenig Anteilnahme. Die „Froschperspektive“ hingegen zeigt nur einen kleinen Ausschnitt, bei der die Person ständig aufmerksam „nach oben schauen“ muss. Dazwischen liegt die begehrte „Augenhöhe“.
In einem besonderen Bereich der Kommunikation werden weitere tierische Perspektiven genannt: beispielsweise die der Giraffen oder die der Schakale in der konfliktarmen Kommunikation. (GfK).
Warum Elefanten ständig stören
Da nun schon von vielen Tieren die Rede war, will ich noch eines einbringen, das ständig „anwesend“ ist, von dem aber beide Partner sagen, dass es „auf keinen Fall existiert“. Es ist der Elefant, der den Gesprächsfluss blockiert, weil ständig „um ihn herum“ geredet wird. Mehr dazu habe ich bereits veröffentlicht. Auch bei der „Elefantenfrage“ gilt, was ich über Metakommunikation sage: „Wer ihn benennt, muss sehr gute Kenntnisse in Kommunikation haben und mit Konflikten umgehen können.
Kann man die Perspektive wechseln?
Diese Frage lässt sich einfach beantworten: Der Wechsel der Perspektive ist völlig normal.
Die etwas kompliziertere Antwort wäre etwas so:
Wenn du die Sichtweise auf eine Person wechselst, ändert sich eure Beziehung zueinander. Das ist beispielsweise der Fall, wenn du heute Mitarbeiter bist und morgen zum Abteilungsleiter aufsteigst. Sie ändert sich auch, wenn du eine Kollegin zu einem Abendessen einlädst, um etwas „Privates“ zu besprechen.
Wie du die Perspektive wechselst
Es gibt grundsätzlich mindestens drei Perspektiven in der Kommunikation, egal, welcher Lehre jemand anhängt:
- Meine Perspektive.
- Deine Perspektive.
- Unsere Perspektive.
- Die Perspektive eines Beobachters.
Dabei ist „unsere Perspektive“ meist das Ziel, wenn man gerne etwas beschließen würde und diesem Ziel im Gespräch näherkommen will.
Perspektiven angleichen - eine sinnvolle Methode
Dieses „Näherkommen“ ist eine Art „Aufeinanderzugehen“. Das heißt: Die maximalen Anforderungen beider Partner werden einander „angeglichen“. Dieses „Angleichen“ beschränkt sich nicht auf Sachfragen – es kann auch in Beziehungswünschen oder dem Austausch sinnlicher Empfindungen bestehen. Dabei können beide Teilnehmer ihre Perspektiven durchaus „ausrollen“ und „nebeneinander ausbreiten“. Passiert das, so sieht man deutlicher, worin sich die Perspektiven ähneln oder auch unterscheiden.
Aus meiner Sicht ist dies die beste Methode, um „zueinanderzufinden“.
Die dritte Perspektive, wenn der "Dritte" fehlt
Die Perspektive eines Dritten wird allgemein benötigt, wenn das Gespräch „aus den Fugen gerät“. Nur – der „Dritte“ (der Beobachter) sitzt nicht mit am Tisch. Das bedeutet nun aber, dass eine Person die „Sicht des Dritten“ übernehmen muss, kann, soll oder wird. Diejenige Person, die es wagt, verfügt normalerweise über die besseren Kommunikationsqualitäten. Es kann aber auch sein, dass sie solange zögert, bis „ihr der Krage platzt“. Das kommt ebenfalls vor – und weil der „Stunk“ dann recht heftig werden kann, hat diese Situation die Tendenz, schlecht auszugehen.
Im besten Fall wird eine „Metakommunikation“ daraus werden, im schlechtesten Fall ein Eklat.
Was nehmen wir jetzt davon mit?
Vor allem solltest du wissen, dass es in jeder Kommunikation mehrere Perspektiven gibt. Das Ziel ist fast immer, beide in eine weitgehende Deckung zu bringen.
Jeder der Teilnehmer ist selbstverständlich berechtigt, die (noch) vorhandenen Abweichungen zu besprechen und neue Vorschläge einzubringen. Am „Ende des Tages“, also zum Abschluss des Dialogs, sollte jedoch ein Beschluss gefasst werden.
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