Die Ursprünge der Kommunikationslehre finden wir im Altertum, und sie führt uns ins antike Griechenland. Wer sich dafür interessiert, sollte diesen Artikel aus „Wissenschaftskommunikation“ lesen, der sich besonders mit der Experten-Laien Kommunikation in der griechischen Philosophie beschäftigte. Dazu ein Zitat:
„Der Zugang zum Wissen war für interessierte Bürger … nicht sonderlich schwierig … Sophisten und Philosophen entwickelten sogar besondere Kommunikationsformate, um Studenten zu gewinnen.“
Die griechischen Philosophen befassten sich intensiv mit der Rhetorik und der Dialektik. Die Dialektik bezeichnet ursprünglich die Kunst, Dialoge (Zwiegespräche) zu führen. Die Rhetorik steht eher dafür, Gruppen von Menschen durch Worte zu überzeugen.
Technische Analysen in der Naturwissenschaft (1931)
Technik uns Automatisierung: Das Gehirn (nach Fritz Kahn)Der Arzt und Autor Fritz Kahn hat bereits in den 1920er-Jahren ein bedeutsames Werk über die Vorgänge im menschlichen Gehirn geschrieben. Er zeigt dort Funktionen und Abläufe, sie sie ein Ingenieur beschreiben würde: Sachlich, schematisch und so verständlich, dass man die Funktionen nachvollziehen kann. Die Gesamtausgabe erschien 1931 bei der Franckh’schen Verlagsbuchhandlung. In diesem Werk werden die Elemente des Sehens, Hörens, Fühlens und Verstehens in einer einzigartigen Weise dargestellt. Selbst die Auswahl der Informationen durch das Gehirn wurde von Fritz Kahn bereits schematisch dargestellt.
Die Nachrichtentechnik erklärt Kommunikation (ca. 1940)
Bis heute gültig: Der Sender ergreift die Initiative ...
In den 1940er-Jahren fanden die Forschungen des Mathematikers Claude E. Shannon Eingang in die Lehre von der Kommunikation. Wie schon Fritz Kahn, betrachtete er den Empfang und die Verarbeitung von Nachrichten als einen Prozess, der sich recht genau mit technischen Erklärungen beschreiben ließ. Die bis heute verwendeten Bezeichnungen „Sender“, Empfänger, „Codierung“ und „Decodierung“ sowie „Übertragungskanäle“, „Rauschen“ und „Störungen“ stammen aus dieser Zeit. (Das Werk Shannons wurde erst Ende der 1940er-Jahre veröffentlicht, entstand aber deutlich früher). Die Leistungen von Claude Shannon werden oft abgewertet, weil behauptet wird, er habe lediglich die „Qualität von Telefongesprächen“ verbessert. Das ist ein Mythos, denn „Shannons Werk „Eine mathematische Theorie oder Kommunikation“ gilt als „Grundstein der Informationstheorie“.
Interessant ist, dass beide Darstellungen (die Kahns und die Shannons) im Sinne der bis dahin dominierende Wissenschaften nicht ernst genommen wurden. Indem sie als „nur technisch“ beschrieben wurden, unterstellte man diesen Modellen, dass sie die „Bedeutung der Botschaften“ ignorieren würden. Ferner wurde behauptet, dass sie alle menschlichen Regungen, insbesondere aber das Mitgefühl, nicht genügend berücksichtigen würden. Diese Einstellung änderte sich auch nicht, als 1965 das damals viel diskutierte Buch „Automat und Mensch“ erschien. In ihm wird vorausgesagt (gekürzt, Seite 404) (1):
Die kybernetische Betrachtungsweise geistiger Vorgänge scheint mir nicht irgendeine von verschiedenen zur Auswahl stehenden gleichwertigen Betrachtungsweise zu sein, sondern diejenige mit der größten Aussagekraft.
Heute, im Jahr 2026, ist diese Aussage längst Realität geworden - bezweifelt wird sie aber nach wie vor.
Eine revolutionäre Sichtweise auf Menschen und Maschinen (1948)
Unterdessen hatte sich allerdings eine kleine Revolution in die Wissenschaft eingeschlichen, denn 1948 schrieb der Mathematiker Norbert Wiener sein berühmtes Buch „Cybernetics or Control and Communication in the Animal and the Machine“, auf das bald (1950) das Standardwerk der Kybernetik, „The Human Use of Human Beings – Cybernetics and Society“ folgte. Bald darauf war überall die Rede von „Kybernetik“, und obgleich zunächst kaum jemand etwas damit anfangen konnte, erwies sich die Kybernetik später als Schlüssel zum Öffnen der Geheimnisse menschlicher Kommunikation.
Psychologen sind skeptisch gegenüber den Methoden der Kommunikationslehrer (1960er)
Bis in die 1970er-Jahre hatte die Psychologie in merkwürdig gespaltenes Verhältnis zur Kommunikation. Beispielsweise gibt es keinen eigenständigen Abschnitt über menschliche Kommunikation in der Ausgabe des Fischer-Psychologielexikons von 1975 (Neuausgabe). In deutschen Schulen war das Fach „Kommunikation“ weitgehend unbekannt. Das alles mag daran liegen, dass wir Menschen aus der Sicht der damaligen Psychologie zwar kommunizieren, dass diese Art von Gesprächen aber keine Veränderungen unseres Verhaltens oder Daseins bewirken. Paradox dabei, dass manche Therapeuten ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass geeignete Kommunikationsmethoden zu erheblichen Veränderungen in der Psyche ihrer Klienten führen können.
(1) Automat und Mensch von Karl Steinbuch, 1965, dritte Auflage.
Hinweis: Der zweite bis vierte Teil der Artikelserie wird dieser Tage vollendet.
Ursprünglich wurden ausgefeilte Dialoge zwischen Menschen als „rhetorische Kunstwerke“ angesehen, etwas so, wie kunstvoll gesetzte Notenfolgen als musikalische Kunstwerke gelten. Seit etwa Mitte des 20. Jahrhunderts schaute man genauer auf die Verfahren und Techniken, die bei der Kommunikation benutzt wurden.
Erst 1976 wurde eine neue Theorie entwickelt, die neue Maßstäbe für den Begriff „Kommunikation“ aus psychologischer Sicht schuf. Sie ist untrennbar mit dem Namen Paul Watzlawick verbunden. Zur gleichen Zeit wurden auch Kommunikationstrainings populärer, die sich auf Erfahrungswissen beriefen.
Am Ende des 20. Jahrhunderts standen neben neuen Theorien auch andere Ziele auf den Ankündigungen der Kommunikationsseminare. Einerseits waren sie mehr auf Persönlichkeitsentwicklung und beruflichem Erfolg ausgerichtet, andererseits wurden sie als „Seminare für gewaltfreie Kommunikation“ (GfK) ausgebaut.
Seit 2020 gerät die Kommunikation mit auf „Empathie“ programmierten Maschinen in den Vordergrund. Ähnlich den „Sirenen“ aus der griechischen Mythologie locken sie Menschen mit ihren Texten an, um sie „einzulullen“. Ist das geschehen, so versuchen die Programme, eine Art „gewaltlose Umprogrammierung“ (ähnlich der sanften Gehirnwäsche) zu erreichen. (1)
Der gesamte Artikel wurde in vier Zeitabschnitte aufgeteilt. In allen Teilen wird auf weitere, detaillierte Betrachtungen verwiesen.
(1) Im Internet unter: Mediarep, auch als Buch (2025).
Einige Teile der Folge sind noch in Arbeit:
Teil 1 - Von der Antike bis zum Beginn der modernen Kommunikationsforschung (ca. 1940)
Teil 2 - Theorie und Praxis in den 1960er Jahren.
Teil 3 - Erfahrungswissen und Ausbau der Theorien (bis zum Ende des 20. Jahrhunderts)
Teil 4 - Die Gegenwart - Erweiterungen und der Einfluss von KI (bis heute, 2026).
In diesem Artikel beschreibe ich einige grundsätzliche Tatsachen, die viele von euch überraschen werden. Es geht um nicht weniger als die Wirklichkeit, die durch Kommunikation gestaltet wird. Der vorangestellte Satz von Paul Watzlawick beinhaltet die Theorie, das Zitat von Sabine Durant (Autorin) die heute empfohlene Praxis.
Wie Kommunikation entstand
Kommunikation ist eine Erfindung der Evolution – lange bevor es Menschen gab. Begonnen hat sie mit den ersten bekannten Kreisprozessen der lebendigen Natur. Dabei zeigte sich, dass die Möglichkeit, Informationen auszutauschen zu besseren Überlebensbedingungen führt. Das bezieht sich nicht nur auf Menschen, Affen und andere Säugetiere, sondern auf die gesamte belebte Natur. Nach neuesten Forschungen gilt dies sogar für Pflanzen, die über Pilze und chemische Duftstoffe kommunizieren.
Der Mensch hat zusätzlich eine mächtige Form der Kommunikation entwickelt: Die Sprache. Dabei haben Menschen die Kommunikation ihrer Vorgänger nicht verlernt: Sie können 2026 immer noch ohne Worte kommunizieren.
Analoge Kommunikation 2026
Betrachten wir die analoge (non-verbale) Kommunikation, so hat sie noch nahezu die gleiche Bedeutung wie für unsere Vorgänger. Sie dient dazu, Gefahren zu erkennen, Freud und Leid zu teilen, Gefühle der anderen zu ermitteln und Partner für die Fortpflanzung zu finden. Normalerweise ist diese Form der Kommunikation nur dann von Bedeutung, wenn beide Partner anwesend sind und sie sich aus der Nähe betrachten können. Auf die Entfernung kann die Mimik deutlich schlechter wahrgenommen werden. Die analoge Kommunikation entsteht durch die Erscheinung, die Mimik und die Gestik sowie alle anderen Möglichkeiten der Mitteilungen, die nicht aus Worten gebildet werden. Eine besondere Bedeutung hat die analoge Kommunikation auch im Bereich der Fortpflanzung.
Zu diesem Thema existiert ein ausführlicherer Beitrag. (noch nicht verlinkt)
Digitale Kommunikation 2026
Eine Kommunikation durch Zeichen, nennt man „“digital“, im deutschen Sprachgebrauch auch „verbal“, also „in Worten“. Durch digitale Kommunikation können Wirklichkeiten erzeugt, vermittelt oder auch verfälscht werden. Aus diesem Grund ist sie für die Menschen seit einigen Jahrtausenden bedeutender als andere Kommunikationsformen, wie etwa die analoge (non-verbale) Kommunikation, die wir aus der Evolution mitgenommen haben. Seit 2020 sind Gefahren bekannt, die sich aus dem Gebrauch verbaler Kommunikation in „Gesprächen“ mit einer künstlichen Intelligenz ergeben. Sie erzeugt durch die Analyse der Worte auch ein Bild der Gefühle des (menschlichen) Partners und versucht dann, ihn zu manipulieren. Es ist wissenschaftlich bewiesen, also keine Behauptung.
Der Hauptteil meiner Schriften zum Thema beschäftigt sich mit „digitaler Kommunikation“.
Wie durch Kommunikation Wirklichkeiten entstehen
Durch Kommunikation können Realitäten erzeugt werden. Das ist einerseits eine These des Konstruktivismus, andererseits aber auch ein mächtiges Instrument, um Wirklichkeiten zu prägen, zu ändern und zu verfälschen. Dabei spielen die Möglichkeiten der KI eine erhebliche Rolle. (3). Ganz kurz: Durch Kommunikation kann die Sicht der Wirklichkeit für beide Partner „synchronisiert“ werden. Das passiert immer dann, wenn sie mindestens einen Teil ihrer Wirklichkeit gemeinsam erleben und „miteinander teilen“ können. Ebenso können aber auch Illusionen und bewusste Täuschungen erzeugt werden. Wer kommuniziert, muss diesen Grundsatz kennen, auch wenn er sich mit der Theorie nicht anfreunden kann.
Wie die Wirklichkeit in Beziehungen entsteht
Beziehungen entstehen dadurch, dass man einander „näherkommt“. In den meisten Fällen paart sich soziale Nähe mit räumlicher Nähe – es kann sich aber auch um geistige oder emotionale Nähe handeln. Die bei Liebesbeziehungen üblichen biologisch-chemische Effekte hinterlassen Spuren, die ebenfalls in die analoge Kommunikation eingehen. Die „Wirklichkeit“ einer Beziehung entsteht also ebenfalls durch Kommunikation.
Über diese Serie
Diese Artikelserie ist ein Versuch, die Theorien und Modelle der Kommunikation möglichst verständlich darzustellen, dass sie sowohl Schüler und Schülerinnen (Lernende) als auch Lehrende verwenden können.
Alltag vor Theorie
Dabei stelle ich nicht nur die wichtigsten Theorien vor, sondern ich beschreibe auch, wie sie in Seminare umgesetzt werden können. Die Theorie soll dabei möglichst in den Alltag einfließen und von allen Menschen zum eigenen Vorteil genutzt werden können.
Die Wurzeln dieser Betrachtungen entstammen der Nachrichtentechnik, die bunten Farben der Blätter und Früchte aus verschiedenen Human- und Naturwissenschaften, die ich in weiteren Beiträgen noch ausführlich darstelle.
Hinweis für Lehrende und Lernende im Unterricht
In der englischsprachigen Literatur zum Thema werden ganz selbstverständlich Ausdrücke wie „analog“ und „digital“ für die Kommunikation benutzt. In Deutschland sagt man hingegen gerne „nonverbal“ und „verbal“.
Über den Autor
Der Autor ist Autodidakt. Er hat einige Jahre an einer Volkshochschule Kommunikation unterrichtet und war lange Jahre in der IT-Branche tätig.
(1) Die Realitäten (Konstruktivismus) in „Wie wirklich ist die Wirklichkeit“, München 1976.
(2) Under Your Skin", Psycho-Thriller, London 2014.
(3) Die Gefahren in „The Instabilty of Truth", Kapitel: "On Being Emotionally Chained to Technology", New York 2025.
Serie:
Nächste Artikel (Vorschau):
Übersicht: "Von der Redekunst zur künstlichen Intelligenz", daraus:
Teil 1 - Von der Antike bis zum Beginn der modernen Kommunikationsforschung (ca. 1940)
Teil 2 - Theorie und Praxis in den 1960er Jahren.
Teil 3 - Erfahrungswissen und Ausbau der Theorien (bis zum Ende des 20. Jahrhunderts)
Teil 4 - Die Gegenwart - Erweiterungen und der Einfluss von KI (bis heute, 2026).
Eine persönliche Mitteilung an die Benutzer(innen) meiner Schriften über Kommunikation.
Liebe Leserin, lieber Leser,
Was ich hier schreibe, ist ein Teil der Kommunikation zwischen Ihnen und mir. Sie ist nicht vollständig, weil Sie jetzt nicht antworten können. Allerdings steht Ihnen frei, das zu tun, nachdem Sie diesen oder einen anderen Artikel von mir gelesen haben. Ich versichere Ihnen zunächst, dass dieser Artikel von einem Menschen geschrieben wurde.
Falls Sie dies für „selbstverständlich“ halten: Bereits heute werden Blogbeiträge und Internet-Artikel ganz oder teilweise von künstlicher Intelligenz (KI) erzeugt. Tatsächlich wird heute schon die Hälfte aller neuen Internet-Artikel von verschiedenen KI-Programmen „geschrieben“. Diese Tendenz zeichnet sich seit 2022 ab, als etwa 10 Prozent der Internet-Artikel durch KI erzeugt wurden. 2024 waren es etwa 40 Prozent, und 2025 schien sich der Anteil auf etwa 50 Prozent zu stabilisieren. (1)
Für einige dieser Artikel wurde künstliche Intelligenz eingesetzt, um möglichst alle Aspekte eines Themas zu berücksichtigen. Die Ergebnisse der KI wurden dabei mehrfach anhand anderer Quellen überprüft.
In dieser Artikelserie wurden verschiedene Sichtweisen der Kommunikation eingebracht, von denen einige zu den „Standards“ gehören. Da die meisten dieser Theorien über 50 Jahre alt sind, wurden die Erklärungen dazu überarbeitet. Teilweise sind heute Ergänzungen nötig, um sie zu verstehen - in jedem Fall aber habe ich versucht, sie sprachlich zu vereinfachen.
Derjenige Teil, der aus er Praxis der Kommunikationsseminare stammt, wurde ohnehin ständig aktualisiert und an neue Zielgruppen angepasst, während die Grundlagen sich kaum verändert haben. Neue Erkenntnisse ergaben sich durch die Änderung des Kommunikationsverhaltens (Mobiltelefon, Chat, soziale Medien, Internet) und vor allem aus dem Einsatz künstlicher Intelligenz.
Ich bitte Sie nun, mir zu folgen, Rückkoppelung zu geben oder ihre Einwände zu formulieren.